Archiv der Kategorie: Gedanken

TAG 94: Oh weh – Verwaltung und Formalismus

Mittwoch, 4.3.2015

Als ich am Dienstag den Brief vom UKE aus dem Briefkasten angele, freue ich mich zunächst. Siehe da, denke ich: Man hat zugesagt, mir eine Kopie des Abschlussberichtes zu übersenden, sobald der fertig sei. Dies wird er denn ja sein. Denke ich mir.

Mitnichten! Mein Gesicht hätte ich sehen mögen, als ich den Brief gelesen habe. In ziemlich forschen, fast aggressiven Ton werde ich in großen Lettern darauf hingewiesen, dass ich für meine Behandlung keine Überweisung abgegeben hätte. Wenn man diese nicht in wenigen Tagen vorliegen hätte, dann müsste man mir die Strahlentherapie privat in Rechnung stellen. Vier Tage gibt man mir Zeit, die Überweisung vorzulegen. Den eigenen Brief hat man sinnigerweise gleich Zehn Tage zurückdatiert. Ja, wieso denn nur?

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TAG 89: Nach dem Therapieende: Und wat nu?

Freitag, 27.2.2015

Tja, was bleibt denn jetzt von der ganzen Krebstherapie? Außer ein paar nicht gerade dramatischen Nebenwirkungen, die bei mir nach wie vor anhalten.

Noch fühle ich mich, wie ein Brathähnchen, noch ist das Innere meiner Nase weitgehend kaputt, noch passieren in meinem Mund unangenehme Dinge, wenn ich nur mal versuche, die Mundpflege etwas zu reduzieren. Auch mein Schlafbedürfnis hat noch immer den gleichen, hohen Umfang von 10-12 Stunden pro Tag. Es geht fast nichts ohne einen ausgiebigen Nachmittagsschlaf.

Und sonst? Was auch bleibt, ist das Gefühl, dass mein Krebs „weg“ ist. Und dieses Gefühl darf ich nun rund drei Monate genießen. Denn irgendwelche Untersuchungen jetzt direkt nach Ende der Bestrahlungen wird es überhaupt nicht geben, weder im Blut, noch per CT oder sonstwie. Das wird erst im Juni passieren.

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TAG 75: Träge, müde, kraftlos – eigentlich reicht es mir

Freitag, 13.2.2015

23 von 30 Bestrahlungstagen, 41,4 Gray Energiedosis gegen meinen Krebs.

Eigentlich habe ich keine Lust mehr auf all das.

Keine Lust mehr, mich mit meiner Krebserkrankung zu beschäftigen (eigentlich habe ich das Gefühl, das „der Krebs“ schon „weg“ ist und jetzt nur noch der Sicherheit wegen „nachgebratzelt“ wird).

Keine Lust mehr, jeden Tag ins Krankenhaus zu fahren und mir meine Strahlendosis abzuholen (obwohl ich nach wie vor die Station der Strahlentherapie im UKE als sehr angenehm empfinde und meine Lebensretter, die mich da jeden Tag betreuen, mag und sehr schätze).

Keine Lust mehr, von allen als der Kranke empfunden zu werden (obwohl ich es objektiv gesehen ja durchaus bin – und es sehr schön ist, wenn viele Personen aus meinem Umfeld sehr aufmerksam mit mir umgehen).

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TAG 72: Bin ich ein „Radaropfer“?

Dienstag, 10.2.2015

20 von 30 Bestrahlungstagen, 36,0 Gray Energiedosis gegen meinen Krebs.

Na sowas! Das schlägt ja dem Fass den Boden aus!

Wie ja schon vor Wochen geschrieben, habe ich mich bisher nicht im Geringsten damit beschäftigt, wordurch meine Krebserkrankung wohl entstanden sein könnte. Denn: ich war mir sicher, dass solche Überlegungen zu keiner Lösung der Frage kommen werden, kommen können! Man fängt nur an, sich Gedanken über Probleme zu machen, zu denen es keine Antwort gibt. Dachte ich.

Und nun das!

Irgendwo gab es eine kleine Pressenotiz, die mich nun gehörig drucheinander brachte. Frei nach dem Motto: Wenn man sich nicht selber Gedanken hierum macht, dann kommen mögliche Gedanken über Verursacher von alleine zu einem.

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TAG 66: Ab sofort krankgeschrieben

Mittwoch, 4.2.2015

16 von 30 Bestrahlungstagen, 28,8 Gray Energiedosis gegen meinen Krebs.

Irgendwie ist es ja ein Mysterium: Man geht einige Tage zur Bestrahlung, legt sich dort auf die Pritsche, bekommt jeden Tag fünf Minuten Strahlen durch den Kopf gejagt, spürt davon nicht das Geringste (okay, ich kann immerhin etwas sehen und habe so ein „Funktionskontrolle“ des Bestrahlungsgerätes) – und nach einigen Wochen ist man geschafft, als würde man jeden Tag Leistungssport betreiben.

Ja, wieso denn nur? Das ist doch eigentlich merkwürdig!

Aber genau betrachtet ist es ja auch so: Der Körper macht ja seinen eigenen Leistungssport. Das Immunsystem läuft auf Hochtouren, es leistet Schwerstarbeit dabei. Jeden Tag wollen Millionen Körperzellen repariert werden, die als Kollateralschäden bei der Krebsbekämpfung mit beschädigt wurden.

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TAG 56: Mein Lebensverlängerungsapparat – eine volle Woche Bestrahlung

Freitag, 23.1.2015

8 von 30 Bestrahlungstagen, 14,4 Gray Energiedosis gegen meinen Krebs.

So, nun habe ich die erste komplette Woche mit Bestrahlungen hinter mir. In der vorangegangenen Woche hatte ich ja drei Bestrahlung, in dieser Woche fünf. Mit den zusammen acht Bestrahlungen habe ich rund ein Viertel der insgesamt anstehenden hinter mir. Noch nicht so richtig viel. 14,4 Gray sind bis jetzt auf mich niedergeprasselt – ohne, dass ich davon direkt irgendetwas gemerkt hätte.

Am heutigen Freitag habe ich allerdings auch mal eine Ahnung von einer der möglichen Nebenwirkung: Irgendetwas in meinem Mund scheint aus dem Lot zu geraten. Die Haut im Mund fühlt sich gereizt an, etwas angeschwollen. Nichts dramatisches, aber natürlich bin ich momentan super-sensibilisiert, was solche Empfindungen angeht. Wenn ich an Kiefer und Kieferhöhle bestrahlt werde, sind natürlich als allererstes im und am Mund weitere Folgen zu befürchten.

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TAGE 47/48: Ich Glückspilz!

Mittwoch 14.1. / Donnerstag, 15.1.2015

3 von 30 Bestrahlungstagen, 5,4 Gray Energiedosis gegen meinen Krebs.

Meine Armbanduhr ist etwas altmodisch, mit dicken Zeigern über einem schwarzen Ziffernblatt mit unförmigen Ziffern. Um das Ziffernblatt herum befindet sich so ein komischer, drehbarer Ring mit Markierungszeigern. Den will ich verdrehen, aber, verdammt – warum geht das denn nicht? Ich drehe und würge daran herum, aber es gelingt nicht! Verdammt nochmal! Ich werde hektisch, rüttel herum. Verdammt, immer diese Hektik!

Moment mal – äh – Armbanduhr? Halt stopp! Äh – was ist gerade los? Seit Jahrzehnten habe ich doch gar keine Armbanduhr mehr! Einen Moment lang muss ich mich sammeln, ich höre ein Klickern und Klackern. Aber das kommt nun wirklich nicht von einer Uhr! Ich muss eingeschlafen sein und geträumt haben. Schon wieder! Wie absurd!

Im wirklichen Leben bin ich gerade bei der Strahlentherapie im UKE, das ist gerade meine dritte Bestrahlung – und zum dritten Mal bin ich dabei eingeschlafen. Das kann ja wohl nicht angehen! Heute das erste Mal sogar während des direkten Bestrahlungsvorgangs, nicht während einer Zwischen-Wartezeit.

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TAGE 35-37: Sorge vor den Nebenfolgen der Bestrahlung

Freitag, 2.1.2015 – Sonntag, 4.1.2015

Das sehe ich mal als richtig gutes Zeichen für mich selber: Meine Lust am Schreiben, dieses Drängen, mir Dinge von der Seele zu schreiben – es lässt in den letzten Tagen deutlich nach!

Es sind inzwischen eher die profanen Dinge des Lebens, die mich bewegen. Gar nicht mehr so sehr die vielen Dinge rund um meine Krebserkrankung, das Plasmozytom, herum. Diese Erkrankung ist zwar mittlerweile ein zentraler Bestandteil meines Lebens – aber sie ist längst nicht mein Leben allein.

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TAGE 32-34: Ist Krebs eine Schlafkrankheit?

Dienstag, 30.12.2014 – Donnerstag, 1.1.2015

Langsam frage ich mich wirklich, ob ich mir da eine Schlafkrankheit eingehandelt habe! Oder kriege ich meine allgemeine Erschöpfung einfach nicht in den Griff?

Der Dienstag war ja noch ein normaler und ziemlich voller Arbeitstag, aber sowohl am Silvestertag, als auch am Neujahr schlafe ich um Stunden länger, als gewöhnlich. Fast finde ich das ein wenig bedenklich. Flüchte ich mich vielleicht in den Schlaf, um mich vor Ängstlichkeit oder Nachdenklichkeit zu schützen?

Am Silvester-Morgen spüre ich zudem eine gewisse Antriebslosigkeit. Nur mit großer Mühe schaffe ich es gerade noch um die Ecke in den Supermarkt, um ein paar Kleinigkeiten einzukaufen. Ach je, so leicht antriebslose Phasen habe ich immer mal wieder kurzzeitig – eigentlich nicht wirklich etwas Besonderes. Aber kaum habe ich mein Plasmozytom, also Krebs, da mache ich mir gleich Sorgen um mich selber.

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TAGE 23-30: Weihnachten: Früher war mehr Lametta!

Samstag 20.12.2014 – Sonntag 28.12.2014

Weihnachten – ein Fest der Ruhe, der Familie, des Müßiggangs. In diesem Jahr noch deutlich bewusster wahrgenommen, als in anderen Jahren. Musste ich mir doch nach meiner Krebsdiagnose eine Zeitlang Sorgen machen, dass dies womöglich mein letztes Weihnachten sein könnte, so ist dies allerdings inzwischen nicht unbedingt wahrscheinlich.

Trotzdem ein besonderes Weihnachten! Ich bemühe mich, alles ein wenig wie „in alten Zeiten“ zu gestalten, auch, wenn der Bedarf hieran bei meiner Tochter eher gering ist. Ein wenig Melancholie schwingt aber schon mit. Früher war zum einen mehr Lametta, aber zum anderen war ich auch irgendwie unbelasteter.

Am Montag und am Dienstag stehen noch normale Arbeitstage an, aber auch die vergehen ohne besondere Hektik. Irgendwie fühlt sich alles „normal“ an.

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