Archiv der Kategorie: Diagnosezeit

TAGE 35-37: Sorge vor den Nebenfolgen der Bestrahlung

Freitag, 2.1.2015 – Sonntag, 4.1.2015

Das sehe ich mal als richtig gutes Zeichen für mich selber: Meine Lust am Schreiben, dieses Drängen, mir Dinge von der Seele zu schreiben – es lässt in den letzten Tagen deutlich nach!

Es sind inzwischen eher die profanen Dinge des Lebens, die mich bewegen. Gar nicht mehr so sehr die vielen Dinge rund um meine Krebserkrankung, das Plasmozytom, herum. Diese Erkrankung ist zwar mittlerweile ein zentraler Bestandteil meines Lebens – aber sie ist längst nicht mein Leben allein.

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TAGE 32-34: Ist Krebs eine Schlafkrankheit?

Dienstag, 30.12.2014 – Donnerstag, 1.1.2015

Langsam frage ich mich wirklich, ob ich mir da eine Schlafkrankheit eingehandelt habe! Oder kriege ich meine allgemeine Erschöpfung einfach nicht in den Griff?

Der Dienstag war ja noch ein normaler und ziemlich voller Arbeitstag, aber sowohl am Silvestertag, als auch am Neujahr schlafe ich um Stunden länger, als gewöhnlich. Fast finde ich das ein wenig bedenklich. Flüchte ich mich vielleicht in den Schlaf, um mich vor Ängstlichkeit oder Nachdenklichkeit zu schützen?

Am Silvester-Morgen spüre ich zudem eine gewisse Antriebslosigkeit. Nur mit großer Mühe schaffe ich es gerade noch um die Ecke in den Supermarkt, um ein paar Kleinigkeiten einzukaufen. Ach je, so leicht antriebslose Phasen habe ich immer mal wieder kurzzeitig – eigentlich nicht wirklich etwas Besonderes. Aber kaum habe ich mein Plasmozytom, also Krebs, da mache ich mir gleich Sorgen um mich selber.

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TAG 31: In der Strahlentherapie – die Termine stehen fest!

Montag, 29.12.2014

Die Weihnachtsfeiertage sind rum – Zeit, um mich mal wieder im UKE blicken zu lassen!

Eigentlich habe ich heute ja einen normalen Arbeitstag – und eigentlich muss ich dort einen Kollegen vertreten, der die Feiertage über frei genommen hatte. Aber da müssen meine Kollegen mich heute bei meinem Vertretungsdienst vertreten. Nun gut – das wird schon klappen, irgendwie.

Nachdem ich nun 10 Tage lang keinen Arzt gesehen habe (welch ein Luxus!), habe ich mir heute mal wieder gleich zwei Termine auferlegt: Früh morgens besuche ich die Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie (MKG) des UKE. Vor knapp zwei Wochen war mit einem ziemlich derben Eingriff meine zuvor geöffnete Kieferhöhle geschlossen worden. Heute oder morgen solle ich die Fäden ziehen lassen – die Ärztin hatte die gedehnten Schleimhäute sehr gründlich vernäht und mir diese Maßgabe mit auf den Weg gegeben. Seit dem Eingriff habe ich das Gefühl, dass meine rechte Mundhälfte eigentlich nur noch aus Fäden besteht. Diese haben sich mit der Zeit zu einem ziemlichen Klumpen verwoben – von daher kommt es mir ganz Recht, dass diese jetzt entfernt werden sollen. Ich bin schon schwer genervt von diesem Klumpen im Mund.

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TAGE 23-30: Weihnachten: Früher war mehr Lametta!

Samstag 20.12.2014 – Sonntag 28.12.2014

Weihnachten – ein Fest der Ruhe, der Familie, des Müßiggangs. In diesem Jahr noch deutlich bewusster wahrgenommen, als in anderen Jahren. Musste ich mir doch nach meiner Krebsdiagnose eine Zeitlang Sorgen machen, dass dies womöglich mein letztes Weihnachten sein könnte, so ist dies allerdings inzwischen nicht unbedingt wahrscheinlich.

Trotzdem ein besonderes Weihnachten! Ich bemühe mich, alles ein wenig wie „in alten Zeiten“ zu gestalten, auch, wenn der Bedarf hieran bei meiner Tochter eher gering ist. Ein wenig Melancholie schwingt aber schon mit. Früher war zum einen mehr Lametta, aber zum anderen war ich auch irgendwie unbelasteter.

Am Montag und am Dienstag stehen noch normale Arbeitstage an, aber auch die vergehen ohne besondere Hektik. Irgendwie fühlt sich alles „normal“ an.

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TAGE 21/22: Arbeitstage

Donnerstag/Freitag, 18./19.12.2014

Gewöhnliche Arbeitstage – eine Rarität, über die ich mich derzeit freue.

Obwohl: So gewöhnlich sind diese Tage gar nicht. Am Donnerstag wird ein Kollege aus meinem engeren Kollegenkreis verabschiedet, einer der Profiteure der frisch eingeführten Ruhestandsregelung nach 45 Jahren Arbeit. Bereits der zweite aus unserer neunköpfigen Gruppe, der recht plötzlich und nicht richtig planbar nicht mehr im Dienst ist.

So ein Abschied wird natürlich zünftig mit einem gemeinsamen Frühstück begangen – und ich bin froh, dass ich dabei sein kann. Der Nachteil: Ich komme nicht umhin, Brötchen zu kauen. Das bringt mir nach der Operation mit der Schließung der Kieferhöhle vor zwei Tagen noch keinen echten Spaß.

Ansonsten sind beide Tage normale Arbeitstage. Mittlerweile kann ich mich auf dem Job wieder bestens auf meine Tätigkeiten dort konzentrieren. Es ist nicht mehr so, dass meine Gedanken mühsam vom Thema Krebs abgelenkt werden müssen.

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TAG 20: Regeneration und Zahnarzt

Mittwoch, 17.12.2014

Gott sein Dank bin ich heute noch krank geschrieben! Etwas durcheinander bin ich. Die Operation zur Schließung der Kieferhöhle hat mich wirklich sehr mitgenommen, und so völlig ohne war die Knochenmarkpunktion dann ja doch nicht. Die Nacht habe ich zwar einigermaßen überstanden, dank der Schmerzmittel, die ich daheim noch zu mir genommen hatte.

Morgens ist erstmal ein Anruf auf der Arbeit fällig mit der Nachricht, dass ich heute noch nicht komme, morgen aber wohl wieder anwesend sein werde. Einstweilen gönne ich mir ansonsten einen gemütlichen Vormittag.

Als ich das dicke Pflaster von der Knochenmarkpunktion entferne, traue ich meinen Augen kaum: Es ist nur ein winziges Loch zu sehen, wie ein größerer Insektenstich. Erstaunlich! Die Wunde fühlt sich exakt so an, wie der Arzt es angekündigt hatte – nämlich als ob man etwas Muskelkater im Hintern habe. Kein Problem also!

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TAG 19: Schließung der Kieferhöhle – und Knochmarkpunktion

Dienstag, 16.12.2014

Der erste Tag seit der Diagnose „Krebs“, an dem es mir richtig schlecht geht! Und zwar körperlich richtig schlecht. Zwei chirurgische Eingriffe an einem Tag – da habe ich mir wohl ein wenig viel zugemutet.

Eigentlich hatte ich gedacht, dass ich das besser wegstecke. Am Morgen soll die geöffnete Kieferhöhle zugenäht werden – klingt ja nicht so besonders spannend. Viel aufregender klingt da schon die Knochenmarkpunktion am Nachmittag. Die erstere Operation stelle ich mir also klein und harmlos vor, die zweite jedoch heftig und sehr schmerzhaft.

Doch es kommt genau umgekehrt.

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TAG 18: Das große Los – für mich?

Montag, 15.12.2014

Was für eine Erleichterung!

Da muss ich nach dem Termin in der Onkologie doch zunächst erstmal zu meinem neuen Stammcafé in der Nähe der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf (UKE)! Zwar geht es schon gegen 18 Uhr, aber das macht nichts – ich muss mir einfach noch einen Milchkaffee gönnen. Mich einen Moment lang sammeln. Den Termin im UKE noch kapieren.

Dann sitze ich vor meinem Milchkaffee, sichte kurz die vielen Papiere, die der Arzt mir mitgegeben hatte. Aber viel lesen kann ich gerade nicht. Die Worte des Arztes donnern noch geradezu durch meinen Kopf. Offenbar habe ich unfassbares Glück im Unglück!

Lange jedoch kann ich hier im Café jetzt gar nicht sitzen – ich merke, wie eine große Welle an Gefühlen auf mich zurollt. Erleichterung, pure Erleichterung! Nach all der ungeheuren Anspannung der letzten Zeit. Und bevor ich hier mitten im Café vor Erleichterung anfange zu heulen, stürze ich doch lieber meinen Kaffee flott runter, gehe raus und radle durch die Dunkelheit nach Hause. Da sieht niemand meine Tränen der Erleichterung.

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TAGE 16/17: Ist der Tod (k)ein Thema?

Samstag / Sonntag, 13./14.12.2014

Eines mögen die Personen um mich herum überhaupt und ganz und gar nicht: Wenn ich den Tod erwähne. Und sei es nur mit einer kleinen Randbemerkung. Zum Beispiel dadurch, dass ich im Kollegenkreis erwähne, nicht zu wissen, ob mein Arbeitsleben bald vielleicht endgültig vorbei sei. Oder flachsend zu den Kollegen zu der Todesanzeige auf dem Info-Monitor sage: „Guck mal, da stehe ich auch bald.“ Oder wenn ich bei meinen Fußball-Freunden darüber sinniere, dass ich wohl noch den Abstieg, aber vielleicht ja nie wieder einen Aufstieg unseres Team erlebe.

Nein, nein, nein, heißt es dann: So weit solle und dürfe ich gar nicht denken! Das sei kein Thema! Und überhaupt werde ich noch genügend Mühe damit haben, meine Urenkel zu bändigen.

Alle wollen mir Optimismus einimpfen – und das ist ja auch gut so! Außerdem ist Tod kein schönes Thema, am liebsten schieben wir alle es beiseite – und auch das ist gut so! Alle lässt dieser Gedanke schaudern.

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TAG 15: Das Osteo-CT

Freitag, 12.12.2014

Der Tag beginnt, wieder mal, mit einem Krankenhaus-Termin. Eine Computer-Tomographie der Knochen ist jetzt gefragt – Osteo-CT nennt man das. Nachdem letzte Erkenntnisse ergeben haben, dass ich an Knochenmarks- bzw. Knochen-Krebs leide (auch Plasmozytom bzw. Multiples Myelom genannt), ist dies der nächste logische Schritt der Untersuchung meiner Krankheit. Bzw. über den Ausbreitungsgrad meiner Krebserkrankung.

Im Internet hatte ich mich ja über meine Krebs-Erkrankung informiert, um überhaupt etwas zu wissen. Dort kann man auf einer Menge Bildern sehen, wie es aussieht, wenn dieser Krebs sich schon ausgebreitet hat: Es gibt richtige, per Röntgenbild sichtbare Löcher in den Knochen. Ohne gezielt danach zu suchen, sehe ich Bilder von Schädeldecken, die mit Löchern wie bei einem Schweizer Käse aussehen. „Schrotschussschädel“ nennt man das. Was für eine absolut entsetzliche Vorstellung!

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