TAG 1461: Vier Jahre Krebs-Diagnose: Alles, wie immer – meistens…

Mittwoch, 28.11.2018

Es hat ja schon was von „the same procedure as every year“: Es ist so eine Art „mein eigener Jahrestag“ geworden: Am 28. November 2014 bekam ich eine Krebsdiagnose – mehr oder minder verständlich mündlich von einem Arzt mitgeteilt.

Und ich habe es mir schon fast zur Gewohnheit, zu diesem „Jahrestag“ mal einen kleinen Eintrag hier im Blog zu veröffentlichen. Denn eigentlich begann mit dem Tag zwar nicht gerade ein neues, aber doch ein verändertes Leben.

Es fällt mir ein wenig schwer, hier etwas zu schreiben, denn: Neues gibt es bei mir in Sachen meines Krebses, meinem Solitären Plasmozytoms, kaum zu berichten. Und ein Blog, in dem einmal im Jahr ein Eintrag erscheint, in dem steht, dass es nichts zu berichten gibt – das reißt doch nun wirklich niemanden vom Hocker!

Immerhin wird immer mal wieder von einzelnen Leuten in diesem Blog gelesen – zuweilen stundenlang. Und hin und wieder tauchen dann Fragen auf: Und – wie ist es weitergegangen?
Kurze Antwort: Ich lebe weiter – wie bisher…

Eine Besonderheit in diesem Jahr: Es gibt erstmalig überhaupt zu „meinem Jahrestag“ gute Wünsche zu meiner Gesundheit. Das freut mich ja doch sehr und berührt mich auch.

In Sachen Krebs bin ich auch nach vier Jahren in ständiger, regelmäßiger Kontrolle. Alle Vierteljahr geht es, schön regelmäßig, zum Hämatologen in meiner Onkologischen Praxis: Blutuntersuchung, bitte!

Schön regelmäßig alle halbe Jahr (die ersten zwei Jahre war das noch alle Vierteljahr) geht es ab in die Röhre: Das regelmäßige MRT des Kopfes steht dann an. Dort schaut man dann regelmäßig, ob in dem bei mir gewachsenen Gewebe in der Kieferhöhle, das den Tumor entwickelt hatte, noch etwas lebt. Also, ob dieses Gewebe durchblutet wird. Dass dieses ehemals tumoröse Gewebe in den vier Jahren völlig stabil und unverändert nicht mehr lebt, ist schlicht erfreulich.

Bei meinen Blutwerten ist das leider nicht immer ganz so perfekt. Im Juli erklärte mir mein Arzt, dass meine „Tumormarker“ (das sind vor allem Kappa- und Lambda-Leichtketten, „monoklonale Proteine“ – hierzu hatte ich vor gut drei Jahren ein wenig mehr geschrieben) erhöht sind. In einem Falle bis zu dem Dreifachen, was als Normalwert angesehen wird – bislang lagen diese Werte bei mir immer nah an der Grenze.

Man beruhigt mich sogleich: Das seien wirklich ganz, ganz empfindliche Zeiger, die ganz frühe Entwicklungen anzeigen würden. Und immerhin würde das Verhältnis dieser beiden Werte zueinander noch gerade so im Rahmen sein – und dieses Verhältnis sei der allerwichtigste Zeiger. Ich solle mir keine Sorgen machen, es würde „erstmal“ noch nichts weiter unternommen und ich solle mich im Vierteljahr wieder vorstellen.

„Sich keine Sorgen machen“ – das ist flott gesagt! Das muss man aber erstmal hinbekommen. Tumormarker durchaus deutlich außerhalb der Grenzen wirken alles andere als beruhigend. Natürlich fragt man sich dann: Was ist denn da nun los bei mir? Nun ist es aber auch nicht so, dass ich tagein-tagaus mit Sorgen herumlaufe. Zuweilen verdränge ich solche Gedanken auch ganz bewusst, denn es hilft wirklich niemanden, wenn ich mich dauernd damit beschäftige.

Und doch klemmen sich solche Informationen in das Unterbewusstsein fest – und tauchen hin und wieder mal auf. Kein schönes Grundgefühl! Da zieht sich die Wartezeit bis zu der nächsten Blutuntersuchung dann doch in die Länge. Diese war dann im Oktober – und da hatten sich die beiden Werte wieder an die an die Grenzen der Normalwerte angenähert. Das ist dann wirklich ein schöner Moment der Entspannung, wenn einem dies mitgeteilt wird…

Und überhaupt: Die vielen Blutuntersuchungen haben „Nebeneffekte“. Bis zu zweieinhalb eng bedruckte Seiten mit meinen Blutwerten bekomme ich auf meinen Wunsch hin dann immer in die Hand gedrückt. Man fühlt sich dann nicht nur sehr gläsern, da findet sich dann immer auch der eine oder andere Wert, der nicht so ist, wie er im Optimalfall sein sollte. Da höre ich dann hin und wieder mal, dass ich damit doch mal zum Hausarzt gehen solle (wobei ich feststellen musste, dass dieser plötzlich wie vom Erdboden verschluckt und unauffindbar ist – und mit ihm meine gesamten Unterlagen!).

Und wenn ich mir dann denke, ach, ich bin nun seit rund zehn Jahren ständig, fast pausenlos mit den verschiedensten Dingen in der großen, anstrengenden „Medizin-Maschine“ – bevor ich nun also neue Baustellen aufmache, fahre ich doch erstmal in Urlaub, dann reagieren Ärzte schon mal missmutig, fühlen sich offenbar nicht so richtig Ernst genommen. Da muss man sich dann ausführlich erklären. Erstaunlich, wie viel Zeit Ärzte dann plötzlich haben 😉

Nun gut – es gibt die eine oder andere neue Baustelle. Aber das sind andere Themen, die in diesem Krebs-Blog keinen Raum bekommen.

So gesehen ist bei mir alles im Lot – was meine Krebs-Erkrankung an einem Solitären Plasmozytom anbelangt.

Insgesamt ist es aber doch so, dass ich mir so meine Gedanken mache über mein weiteres Leben. Wer weiß schon, wie lange man fit und gesund genug ist, um den einen oder anderen Traum des Lebens nun wirklich mal in Angriff zu nehmen! Und aus diesem Gedanken heraus habe in diesem Sommer meiner Neugierde und Sehnsucht nach Mitternachtssonne und Eisbergen nachgegeben: Eine Reise nach Island und nach Grönland – und es zeigte sich, dass es sich sehr lohnt, Lebensträume zu entwickeln, diese längere Zeit zu haben und dann aber auch mal umzusetzen. Es ist für mich an der Zeit, sich Dinge nicht nur zu wünschen und vorzustellen, sondern auch mal zu machen – auch das eine Lehre aus meiner ja gar nicht sooo großen Krebsgeschichte. Wer mag, kann über Grönland in meinem extern Reiseblog lesen und Bilder schauen. Ein Höhepunkt des vergangenen Jahres – und ein absoluter Reisehöhepunkt meines Lebens.

Und damit herrscht in diesem Blog einstweilen wieder Ruhe. Denke und hoffe ich jedenfalls…

2 Gedanken zu „TAG 1461: Vier Jahre Krebs-Diagnose: Alles, wie immer – meistens…

  1. Julia Pitsch

    Ich habe in diesem Jahr leider meine Mama an Lungenkrebs verloren. Ich bin ihr die ganze Zeit eng zur Seite gestanden und habe versucht zu helfen wo ich konnte. Seitdem denke ich täglich an sie, die letzten Monate und diese heimtückische Erkrankung und wie stark diese Menschen oft mit der niederschmetternden Diagnose umgehen. Auch ich habe überlegt einen Blog anzufangen, um meine (oft deckungsgleichen Erlebnisse im Krankenhaus und mit den Ärzten) nieder zu schreiben und mein mir angeeignetes Wissen an Betroffene weiter zu geben. Bei meinen Recherchen bin ich dann über Ihren Blog gestolpert und bin sofort stundenlang hängen geblieben. Ich finde es großartig wie Sie Ihre Geschichte so offen teilen und damit auch für andere Mut machen. Ich hoffe, dass Ihre Geschichte weiterhin positiv verläuft und Sie noch viele Jahrestage feiern können! Ich freue mich auf weitere positive Einträge 🙂

    Antworten
    1. dirk@mein-krebs-und-ich.de Beitragsautor

      Hallo Julia Pitsch,

      vielen Dank für den netten Eintrag!

      Ja – ich hatte Glück gehabt seinerzeit und meine Erkrankung wurde sehr früh entdeckt… Und das Schreiben im Blog hat mir seinerzeit gut getan, es war vor allem für mich selber eine Möglichkeit, meine Gedanken zu sortieren.

      Alle Gute für Sie! Und ich wünsche Ihnen Kraft nach Ihrem schweren Verlust!

      Viele Grüße
      Dirk Matzen

      Antworten

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