Archiv der Kategorie: Freunde

TAG 75: Träge, müde, kraftlos – eigentlich reicht es mir

Freitag, 13.2.2015

23 von 30 Bestrahlungstagen, 41,4 Gray Energiedosis gegen meinen Krebs.

Eigentlich habe ich keine Lust mehr auf all das.

Keine Lust mehr, mich mit meiner Krebserkrankung zu beschäftigen (eigentlich habe ich das Gefühl, das „der Krebs“ schon „weg“ ist und jetzt nur noch der Sicherheit wegen „nachgebratzelt“ wird).

Keine Lust mehr, jeden Tag ins Krankenhaus zu fahren und mir meine Strahlendosis abzuholen (obwohl ich nach wie vor die Station der Strahlentherapie im UKE als sehr angenehm empfinde und meine Lebensretter, die mich da jeden Tag betreuen, mag und sehr schätze).

Keine Lust mehr, von allen als der Kranke empfunden zu werden (obwohl ich es objektiv gesehen ja durchaus bin – und es sehr schön ist, wenn viele Personen aus meinem Umfeld sehr aufmerksam mit mir umgehen).

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TAGE 32-34: Ist Krebs eine Schlafkrankheit?

Dienstag, 30.12.2014 – Donnerstag, 1.1.2015

Langsam frage ich mich wirklich, ob ich mir da eine Schlafkrankheit eingehandelt habe! Oder kriege ich meine allgemeine Erschöpfung einfach nicht in den Griff?

Der Dienstag war ja noch ein normaler und ziemlich voller Arbeitstag, aber sowohl am Silvestertag, als auch am Neujahr schlafe ich um Stunden länger, als gewöhnlich. Fast finde ich das ein wenig bedenklich. Flüchte ich mich vielleicht in den Schlaf, um mich vor Ängstlichkeit oder Nachdenklichkeit zu schützen?

Am Silvester-Morgen spüre ich zudem eine gewisse Antriebslosigkeit. Nur mit großer Mühe schaffe ich es gerade noch um die Ecke in den Supermarkt, um ein paar Kleinigkeiten einzukaufen. Ach je, so leicht antriebslose Phasen habe ich immer mal wieder kurzzeitig – eigentlich nicht wirklich etwas Besonderes. Aber kaum habe ich mein Plasmozytom, also Krebs, da mache ich mir gleich Sorgen um mich selber.

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TAGE 23-30: Weihnachten: Früher war mehr Lametta!

Samstag 20.12.2014 – Sonntag 28.12.2014

Weihnachten – ein Fest der Ruhe, der Familie, des Müßiggangs. In diesem Jahr noch deutlich bewusster wahrgenommen, als in anderen Jahren. Musste ich mir doch nach meiner Krebsdiagnose eine Zeitlang Sorgen machen, dass dies womöglich mein letztes Weihnachten sein könnte, so ist dies allerdings inzwischen nicht unbedingt wahrscheinlich.

Trotzdem ein besonderes Weihnachten! Ich bemühe mich, alles ein wenig wie „in alten Zeiten“ zu gestalten, auch, wenn der Bedarf hieran bei meiner Tochter eher gering ist. Ein wenig Melancholie schwingt aber schon mit. Früher war zum einen mehr Lametta, aber zum anderen war ich auch irgendwie unbelasteter.

Am Montag und am Dienstag stehen noch normale Arbeitstage an, aber auch die vergehen ohne besondere Hektik. Irgendwie fühlt sich alles „normal“ an.

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TAGE 16/17: Ist der Tod (k)ein Thema?

Samstag / Sonntag, 13./14.12.2014

Eines mögen die Personen um mich herum überhaupt und ganz und gar nicht: Wenn ich den Tod erwähne. Und sei es nur mit einer kleinen Randbemerkung. Zum Beispiel dadurch, dass ich im Kollegenkreis erwähne, nicht zu wissen, ob mein Arbeitsleben bald vielleicht endgültig vorbei sei. Oder flachsend zu den Kollegen zu der Todesanzeige auf dem Info-Monitor sage: „Guck mal, da stehe ich auch bald.“ Oder wenn ich bei meinen Fußball-Freunden darüber sinniere, dass ich wohl noch den Abstieg, aber vielleicht ja nie wieder einen Aufstieg unseres Team erlebe.

Nein, nein, nein, heißt es dann: So weit solle und dürfe ich gar nicht denken! Das sei kein Thema! Und überhaupt werde ich noch genügend Mühe damit haben, meine Urenkel zu bändigen.

Alle wollen mir Optimismus einimpfen – und das ist ja auch gut so! Außerdem ist Tod kein schönes Thema, am liebsten schieben wir alle es beiseite – und auch das ist gut so! Alle lässt dieser Gedanke schaudern.

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TAGE 9+10: Infos zum „Plasmozytom“ – und bewusste Pause

Samstag / Sonntag, 6./7.12.2014

Meine Erkenntnis vom Vortag: So werde ich auch das anstehende Wochenende angehen – Pause und Erholung! Meine Kraft werde ich noch brauchen… Im Kampf gegen den Krebs.

Denn: Bisher findet meine Krebserkrankung ja fast nur in meinen Gedanken statt. Ich habe keinerlei körperliche Beschwerden. Trotzdem verbraucht sie Energie. Und auch die vielen Arzt-Termine sind durchaus anstrengend.

Trotzdem: Gestern hatte mir der Arzt der Mund-Kiefer-Gesichts-Chrurgie (MKG) des Universitätklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) den Befund der histologischen Untersuchung überlassen. Dort verstehe ich zwar nicht viel – aber das, was ich verstehe, bietet Stoff genug für dieses Wochenende!

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TAG 6: Eine CT – Die Krebs-Diagnosen beginnen

Mittwoch, 3.12.2014

Ein kurzer, knapper Arbeitstag. Langsam gewöhne ich mich wieder an konzentriertes Arbeiten und bin nicht so „neben mir“. Oder „außer“ mir, wegen meiner neuen Krankheit, Krebs.

Aber heute steht der erste „größere“ Teil der Diagnostik an: Wo ist der Krebs denn schon überall in meinem Körper verteilt? Im Lymphsystem breitet der Krebs sich üblicherweise wohl zügig aus, lese ich im Internet.

Also geht es heute ab in die Röhre: Eine Computertomographie steht an. Da ja eh niemand so richtig weiß, was ein Computer überhaupt ist, und schon erst recht nicht, was eine Tomographie ist, nennt man das ganze im Volks- und Expertenmund knapp „CT“.

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TAG 5: Mein „Niedrig-malignes Non-Hodgkin Lymphom der B-Zellreihe“

Dienstag, 2.12.2014

Betretene Gesichter bei den Kollegen. Da muss ich selber wohl für etwas Aufheiterung sorgen: Also, sie sollen mal gar nicht hoffen, dass ich mit 21 Tagen Resturlaub, 80 Überstunden und dem einen noch ausstehenden Tag Sonderurlaub für mein gerade begangenes Dienstjubiläum, bereit bin, in „die Kiste“ zu springen! Soweit werde ich es nicht kommen lassen! Sie werden mich schon noch weiter ertragen müssen.

Trotzdem sind die Reaktionen bei meinen Kollegen zunächst eher Sprachlosigkeit. Zuvor war die in diesem Rahmen gar nicht so oft stattfindende Besprechungsrunde über eine Stunde lang recht lebhaft verlaufen. Nur ich war eher still, rutsche während der Zeit allerdings immer unruhiger auf meinem Stuhl hin und her. Kein schönes Gefühl, so etwas erzählen zu müssen. Einen Moment wünsche ich mir, dass ich mir nicht vorgenommen hätte, es allen zu erzählen. Könnte ich nicht einfach auf die „stille Post“ vertrauen? Die würden doch wohl alles untereinander weiterplaudern. Aber, nein, Quatsch, das ist einfach nicht mein Weg.

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TAG 4: Schutzengel am Werk

Montag, 1.12.2014

Der Feueralarm heute auf der Arbeit erwischt mich auf dem völlig falschen Fuß! Eigentlich muss ich dabei darauf achten, dass auf „meiner“ Etage alle ihre Räume verlassen. Aber irgendwie lasse ich mich von lustlosen und genervten Kollegen ablenken und versäume, in einige Räume der insgesamt 40-50 Räume der Etage zu schauen. Einige Kollegen nutzen das, um bei der eisigen Kälte trotz des Alarms im Gebäude zu bleiben. Idioten!

Kurz: Ich mache Fehler! Bin unkonzentriert, etwas neben der Spur.

Das ist nicht wirklich verzeihlich, denn der Alarm war keine Übung! Zwar hat es, glücklicherweise, nicht wirklich gebrannt in unserem Laborgebäude. Eine defekte Ölpumpe benebelte einen Sensor und löste den Alarm aus. Beeindruckend schnell war die Feuerwehr vor Ort. Für mich steht dann Ärger an, weil ich nachlässig war.

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TAG 3: Wann krank, wann gesund?

Sonntag, 30.11.2014

Was für eine Nacht war das wieder! An Schlaf war kaum zu denken, trotzdem bleibe ich auch morgens recht lange im Bett liegen. Starre vor mich hin, lasse Gedanken kreisen – nachdem ich nachts eher gezielte Überlegungen angestellt hatte.

Eine der blödesten Eigenarten der zweiten Fußball-Bundesliga ist jedoch, dass die Spiele zu völlig unmöglichen Zeitpunkten beginnen. Am Wochenende starten die Spiele mittags. Und für mich steht heute ein Heimspiel meines bevorzugten Fußball-Vereins auf dem Programm. Dort treffe ich mich immer mit einer ganzen Gruppe Freunden.

Soll ich denen erzählen, dass dies womöglich für längere Zeit, vielleicht überhaupt mein letztes Heimspiel sein wird? Schließlich steht bei mir die Chemotherapie an. Ich weiß zwar noch gar nicht richtig, wie und wann die startet – aber sie wird kommen. Und ich will und muss es ihnen erzählen!

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