TAGE 9+10: Infos zum „Plasmozytom“ – und bewusste Pause

Samstag / Sonntag, 6./7.12.2014

Meine Erkenntnis vom Vortag: So werde ich auch das anstehende Wochenende angehen – Pause und Erholung! Meine Kraft werde ich noch brauchen… Im Kampf gegen den Krebs.

Denn: Bisher findet meine Krebserkrankung ja fast nur in meinen Gedanken statt. Ich habe keinerlei körperliche Beschwerden. Trotzdem verbraucht sie Energie. Und auch die vielen Arzt-Termine sind durchaus anstrengend.

Trotzdem: Gestern hatte mir der Arzt der Mund-Kiefer-Gesichts-Chrurgie (MKG) des Universitätklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) den Befund der histologischen Untersuchung überlassen. Dort verstehe ich zwar nicht viel – aber das, was ich verstehe, bietet Stoff genug für dieses Wochenende!

Bisher war als vorläufige Diagnose zu mir durchgedrungen, dass ich ein „niedrige-malignes Non-Hodgkin Lymphom der b-Zellreihe“ hätte – in dem Befund lese ich nun, dass ein „Plasmozytom“ eindeutig zu favorisieren sei. Details würden bei Spezialisten in Lübeck bestimmt. Ein „Plasmozytom“ – das ist mir nun völlig neu! Aber:

Ein „Plasmozytom“ – was ist denn das?

Da ich wieder ohne weitere Infos zu meiner Erkrankung die MKG verließ, suche ich im Internet. Und was ich finde, gefällt mir GANZ UND GAR NICHT!

Ein Plasmozytom – Krebs des Knochenmarks und/oder der Knochen. Insgesamt eine sehr seltene Krebsform. Drei bis vier von 100.000 Menschen in Deutschland erkranken hieran. Es gibt offenbar zwei Varianten derselben Erkrankung: Als „Plasmozytom“ hat sich der Krebs noch nicht im Körper ausgebreitet, sondern ist auf eine Stelle begrenzt. Da diese Krebsform jedoch sehr langsam wächst und zunächst ohne Beschwerden bleibt, sei die Normalform jedoch das „Multiple Myelom“ – bei dem sich die Krebsform im Knochenmark mehr oder minder des gesamten Körpers ausgebreitet hat. Nach und nach werden die Knochen dabei, offenbar sehr schmerzhaft, aufgelöst.

Auf den Seiten der Uni Heidelberg finde ich ein umfassendes „Patienten-Handbuch“, das ich leider nur in Ansätzen verstehe. Aber dort lese ich Sätze, wie: „Beim Multiplen Myelom (MM) / Plasmozytom ist die Situation schwieriger. Die Krankheit ist lebensbedrohend – oft tödlich. Es gibt nur sehr selten Heilung. Allerdings kennen die Ärzte viele Behandlungsmethoden, um Myelompatienten ein besseres und längeres Leben zu ermöglichen. Und es kommen nahezu jedes Jahr neue Therapiemöglichkeiten hinzu. Menschen mit MM können manchmal Jahrzehnte überleben. Es bestehen Kontroversen darüber, wie die Krankheit am besten zu behandeln sei. Der Behandlungsverlauf hängt maßgebend ab von der spezifischen Situation des Patienten in Bezug auf seinen Gesundheitszustand, seine Motivation und die Familienverhältnisse.“

Die umfassende Informationsseite www.plasmozytom.info leitet seine Erklärungen kurz und knackig ein mit den Worten: „Plasmozytom oder auch Multiples Myelom genannt, ist eine sehr seltene Form von Krebs, führt aber zu den meisten Todesopfern im Bereich von Knochen- und Knochenmarkkrebs.“

POTZBLITZ! Nein, nein, nein – so etwas liest man nicht gerne über eine Krankheit, die für einen selber als wahrscheinlich angesehen wird! „Manchmal“ kann man Jahrzehnte überleben, aber „oft“ ist die Krankheit tödlich!

Scheiße!

Die Diagnose bei mir ist ja noch nicht abgeschlossen – aber offenbar ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich hieran leide! Nahezu unheilbar sei ein solches Plasmozytom also, lese ich. Eigentlich nur – als letztes Mittel – durch eine höchst gefährliche Stammzellentransplantation eines Fremdspenders. Das ganze Ansinnen der Therapien sei es, die Folgen der Erkrankung und das Leben mit ihr möglichst lange erträglich zu gestalten. Puh!

Das kann mir nicht gefallen!

Meine Besorgnis nimmt noch einmal zu. Obwohl: So richtig verlockend sind auch die Alternativen der „Non-Hodgkin-Lymphome“ keinesfalls! Meine Güte, was habe ich mir da  nur eingehandelt?

Ein seelischer Tiefpunkt der letzten Tage! Eigentlich hatte ich mich zuletzt verblüffend schnell auf die neuen Umstände eingestellt. Aber jetzt: Schmerzhaft sich auflösende Knochen, Nierenversagen durch das viele Kalzium im Blut und so weiter und so weiter – ein neuer Schub an Angst und an Selbstmitleid rollt über mich.

Und doch gelingt es mir, mich an dem Wochenende auch einigermaßen zu entspannen. Ich tue einfach das, wovon ich das Gefühl habe, dass es mir gut tut. Bin ich müde, dann schlafe ich eben – ist doch egal! Habe ich Lust auf Süßes, dann gönne ich es mir eben. Das eine oder andere zusätzliche Pfund auf den Rippen kann nicht unbedingt schaden bei dem, was mir bevorsteht! Wenn ich reden will oder muss, dann rufe ich jemanden an – alle haben für mich ein offenes Ohr im Moment. Und das wiederum ist schön.

Am Samstagabend gibt es ein Treffen mit einigen meiner Fußball-Freunde. Es gilt, mit einem Grünkohlessen zu feiern, dass eine von uns nach einigen Jahren Arbeitslosigkeit einen neuen Job gefunden hat! Nach dem anrührenden Gespräch vom vorigen Sonntag sind mir diese Leute neu ans Herz gewachsen und näher gekommen, als zuvor. Es wird auch diesmal ein schöner Abend. Es wird zwar auch über meine Erkrankung gesprochen – aber längst nicht nur. Und das tut gut.

Der Sonntag gehört dann mir allein! Pause! Ruhe! Frieden! Wie lange werde ich noch solche Ruhe genießen können? Aber derzeit ist selbst die Ruhe bei mir intensiv. Mein ganzes Leben hat eine enorme Intensität seit Kurzem. Und das ist, für sich genommen, ja nichts schlechtes.

Aber eigentlich fiebere ich so langsam dem Mittwoch entgegen. Dort werde ich das erste Mal in der Onkologischen Ambulanz des UKE vorstellig werden. Ab dann bin also offiziell „Krebspatient“ und es wird Zeit, dass ich dort endlich einmal mehr über die Einschätzung der Ärzte erfahre! Sehr spannend!

Bis dahin geht mein Leben mehr oder minder normal weiter: Zwei ganz normale Arbeitstage am Montag und Dienstag stehen bevor, ohne irgendwelche Arztbesuche oder ähnlichem.

 

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