TAGE 21/22: Arbeitstage

Donnerstag/Freitag, 18./19.12.2014

Gewöhnliche Arbeitstage – eine Rarität, über die ich mich derzeit freue.

Obwohl: So gewöhnlich sind diese Tage gar nicht. Am Donnerstag wird ein Kollege aus meinem engeren Kollegenkreis verabschiedet, einer der Profiteure der frisch eingeführten Ruhestandsregelung nach 45 Jahren Arbeit. Bereits der zweite aus unserer neunköpfigen Gruppe, der recht plötzlich und nicht richtig planbar nicht mehr im Dienst ist.

So ein Abschied wird natürlich zünftig mit einem gemeinsamen Frühstück begangen – und ich bin froh, dass ich dabei sein kann. Der Nachteil: Ich komme nicht umhin, Brötchen zu kauen. Das bringt mir nach der Operation mit der Schließung der Kieferhöhle vor zwei Tagen noch keinen echten Spaß.

Ansonsten sind beide Tage normale Arbeitstage. Mittlerweile kann ich mich auf dem Job wieder bestens auf meine Tätigkeiten dort konzentrieren. Es ist nicht mehr so, dass meine Gedanken mühsam vom Thema Krebs abgelenkt werden müssen.

Am Donnerstag allerdings muss ich ja früher als gewöhnlich Feierabend machen, es steht ja noch ein Kurzbesuch bei meinem Hausarzt an. Ich brauche eine Überweisung für die Strahlentherapie – und diese Überweisung konnte man mir innerhalb des UKE ja nicht erstellen.

Also stehe ich abends um halb sechs bei meinem Hausarzt und frage nach der Überweisung. Man zeigt sich erstaunt, wühlt in den Unterlagen – und findet überhaupt nichts. Das wiederum erstaunt mich nun wieder. Immer wieder sind mir im UKE seitenweise zu unterschreibende Formulare in die Hand gedrückt worden, vor allem Datenschutzerklärungen, mit denen ich erlaube, dass ein umfassender Datenaustausch durchgeführt wird. Unter anderem für Informationen an meinen Hausarzt. Auch seine Adresse habe ich immer schön brav angegeben.

Aber es hat ihn keinerlei Information über meinen Krankheitsverlauf erreicht. Auch nicht von meiner Augen-OP im Sommer oder den diversen Kleinigkeiten des Jahres wie Darmspiegelung oder Atherom-Entfernung. Überhaupt nichts! Der Informationsaustausch zwischen den Ärzten scheint eine Katastrophe zu sein! Warum nur erweckt man denn immer den Anschein, als würde hierfür gesorgt? Ich bin ziemlich ärgerlich über dieses Informations-Defizit!

Aber auf der anderen Seite freue ich mich auch, dass ich immer darauf dränge, irgendwelche Arztbriefe, Berichte, Befunde selber ausgedruckt zu bekommen. Man muss das heute so machen und kann sich keinesfalls darauf verlassen, dass es einen irgendwie funktionierenden Informationsaustausch bei den Ärzten gibt! Selbst ist der Patient! Man muss für sich selber sorgen!

Obwohl: In Ordnung ist das nicht! Eigentlich ist das auch ein Job der Ärzte bzw. der Angestellten dort.

Die Sprechstundenhilfe bei meinem Hausarzt zeigt sich jedenfalls auf meinen Wunsch nach einer Überweisung in die Strahlentherapie beim UKE völlig ungerührt, fragt allerdings vorsichtig nach, ob denn „da ein Tumor eine Rolle spiele“ – sie hätte ja gar nichts in ihren Unterlagen…

In einer vagen Vorahnung hatte ich schon einen repräsentativen Anteil der mir vorliegenden Befunde und Untersuchungsergebnisse mitgenommen – dies erweist sich jetzt als gute Idee. Mit den Unterlagen gibt sie sich offenbar zufrieden drückt mir die gewünschte Überweisung in die Hand. Alles Gute und Schöne Weihnachten!

Als ich die Praxis verlasse, geht mir ein anderer, angenehmer Gedanke durch den Sinn: Ich habe jetzt eine arztfreie Woche! Sogar etwas mehr, als eine Woche: Erst am 29.12. sind die nächsten Termine. Erst in zehn Tagen der nächste Arzttermin – welch ein Luxus! Das haben mir die letzten Monate nicht beschert, und das werden mir auch die kommenden Monate ganz sicher nicht bescheren.

Hat es wirklich einmal etliche Jahre gegeben, in denen außer der Zahnarzt-Kontrolle kein anderer Arzt mich gesehen hatte? Es war wohl tatsächlich so, aber das fühlt sich an, wie in einem ganz anderen, früheren Leben. Das wird es in diesem meinem Leben wohl nicht mehr geben.

Aber, wie dem auch sei, Weihnachten sei Dank: Eine Zeit zum genießen steht mir bevor! Zehn Tage arztfrei! Toll!

 

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