TAG 19: Schließung der Kieferhöhle – und Knochmarkpunktion

Dienstag, 16.12.2014

Der erste Tag seit der Diagnose „Krebs“, an dem es mir richtig schlecht geht! Und zwar körperlich richtig schlecht. Zwei chirurgische Eingriffe an einem Tag – da habe ich mir wohl ein wenig viel zugemutet.

Eigentlich hatte ich gedacht, dass ich das besser wegstecke. Am Morgen soll die geöffnete Kieferhöhle zugenäht werden – klingt ja nicht so besonders spannend. Viel aufregender klingt da schon die Knochenmarkpunktion am Nachmittag. Die erstere Operation stelle ich mir also klein und harmlos vor, die zweite jedoch heftig und sehr schmerzhaft.

Doch es kommt genau umgekehrt.

Als ich morgens überpünktlich um kurz vor neun Uhr wieder mal im Wartebereich der Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie (MKG) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) sitze, bin ich noch recht guter Dinge. Anfang November hatte ich unter Vollnarkose eine kleine Operation bei der MKG über mich ergehen lassen, war seitdem wöchentlich zu Kontrollterminen hier. Viel auszuhalten hatte ich dabei nicht. Grund genug, jetzt gelassen hier zu sitzen – wo sich die Behandlung doch dem Ende zuneigt.

Eigentlich sollen die heute doch nur das kleine Loch zwischen Kiefer und Kieferhöhle zunähen – und gut ist. Denke ich. Etwas beunruhigt bin ich dann doch, als ich nicht in einen der normalen Behandlungsräume gebracht werde, sondern in einen deutlich aufwändiger eingerichteten Raum mit der Aufschrift „MKG OP“. Eine „Operation“ steht mir also bevor – das war mir bis jetzt gar nicht so richtig  klar.

Kurz darauf kommt eine Ärztin hinein. Ich kenne sie bisher nicht, sie ist damit die bisher dritte Ärztin der MKG, die mich in ihren Fingern hat. Nicht schön, diese vielen Arztwechsel.

Sie hält sich nicht weiter damit auf, sich namentlich vorzustellen, sondern fängt gleich an, sich selber und mich vorzubereiten.

Spritzen in den Gaumen finde ich wirklich nicht schön! Aber gerade muss das wohl sein…

Über die Qualen der folgenden Stunde lasse ich mich hier nicht weiter aus. Nur soviel: Es war halt notwendig, recht viel Haut an Kiefer und Gaumen abzulösen, um das Loch im Kiefer komplett abdecken zu können. Und dann gründlich – sehr gründlich! – vernähen zu können.

Nach der Stunde bin ich fertig, mit den Nerven. Und auch körperlich fühle ich sehr mitgenommen, obwohl die üppige Betäubung noch bestens wirkt. Aber mein Mund und Kiefer fühlt sich völlig verformt, irgendwie missraten an. Mein Gesamtzustand ist wohl eher als „desolat“ zu bezeichnen, als ich mich nach dieser Stunde etwas mühsam auf dem Behandlungsstuhl sammle. Und zudem: Ob die Ärztin wohl überhaupt weiß, wie unerträglich es kitzelt, wenn sie die Fäden zum Vernähen einem ständig über das Gesicht baumeln lässt? Auch egal jetzt!

Was denn los sei? will die Ärztin wissen. Ich könne doch nach Hause gehen! Mich beschleicht das komische Gefühl, dass diese junge Ärztin – sie könnte altersmäßig wohl meine Tochter sein – überhaupt gar keine Ahnung hat, wie man sich nach einer solchen Behandlung fühlt. Wenn einem eine Stunde lang ziemlich heftig mitten im Kopf herumgeschuppert wird. Ein, zwei Minuten des sich-sammelns müssen da eigentlich mal drin sein.

Sie hat wohl keine Vorstellung. Mühsam ringe ich ihr noch eine Krankschreibung ab. Ihr Gesichtsausdruck zeigt für das Anliegen zwar kein Verständnis, aber dann gibt es doch für den heutigen und den morgigen Tag einen rosa Schein. Wie absurd: Andauernd wurde mir hier im Haus seit meiner Krebs-Diagnose an verschiedenen Stellen eine Krankschreibung freimütig angeboten. Jetzt brauche ich wirklich dringend eine Krankschreibung – und muss, frisch operiert, darum ringen.

Zwei Tage. Wobei der heutige erste Tag ja nicht mit Erholung verbracht wird, sondern noch mit einem zweiten chirurgischen Eingriff. Der Knochenmarkpunktion.

Drei Stunden Zeit habe ich bis zu dem Termin. Heute Morgen war ich in Erwartung eines eher kleinen Eingriffs optimistisch mit dem Rad ins UKE gefahren. Nun taumele ich mehr oder minder benommen aus der MKG heraus – an Fahrradfahren nicht zu denken. Also schiebe ich mein Fahrrad brav die 2,5 km nach Hause, werfe mich dort in meinen Sessel und sinniere darüber nach, ob ich den Eingriff am Nachmittag doch besser absage? Der Arzt der Onkologie, der die Knochenmarkpunktion durchführen wird, hatte mir dies ja angeboten, falls es mir zu schlecht ginge.

Dies würde jedoch auf der anderen Seite bedeuten, dass die Knochenmarkpunktion und damit weitere Erkenntnisse über meinen Krebs gleich um mindestens zwei Wochen verzögert würde. Auch blöd!

Blöd ist außerdem, dass die Betäubung von der OP heute morgen immer mehr nachlässt. Allerdings weiß ich gerade nicht, ob es in Hinblick auf den noch anstehenden Eingriff jetzt eine gute Idee wäre, noch ein anderes Schmerzmittel zu schlucken. Also lasse ich es besser.

Und ich nehme mir vor, die Zähne zusammen zu beißen und den Termin mit der Knochenmarkpunktion auch noch wahrzunehmen bzw. über mich ergehen zu lassen. Also lautet das Motto: Zähne zusammenbeißen, Arschbacken zusammenkneifen – und durch!

UKE Weihnachtsmarkt

Das Universitätsklinikum Eppendorf ist wie eine eigene Stadt – es gibt sogar einen eigenen Weihnachtsmarkt

Rechtzeitig begebe ich mich wieder in die Klinik, diesmal von vornherein zu Fuß. Nach einer halben Stunde sitze ich wieder im Wartebereich, diesmal in der Onkologischen Ambulanz. Trotz des fixen Termins um 14 Uhr muss ich ziemlich lange warten. Wenn ich nicht so an den Schmerzen im Kiefer leiden würde, würde mir das nicht viel machen, bin ich doch nach der derben OP von heute Morgen eh irgendwie in einer Art Zwischenwelt. Also dämmere ich so vor mich hin, nach einer Stunde werde ich aufgerufen.

Vor mir steht der mir mittlerweile bekannte Herr von der Blutentnahme. Oh nein, nicht schon wieder, denke ich mir, was kommt denn nun? Als er schon anfangen will, eine Blutentnahme zu präparieren, interveniere ich. Gerade gestern sei doch erst eine Blutentnahme gewesen. Jetzt schon wieder? Ist was vergessen worden? Eigentlich sei ich doch für eine Knochenmarkpunktion hier.

Er stutzt, schaut erstmal in einer Liste nach. Ah, ja, dann müsse er mir ja eine Braunüle setzen. Wo ich die denn hin haben wolle? Nun, das zu entscheiden, überlasse ich besser ihm. Auch, wenn ich in den letzten Wochen reichlich Erfahrungen mit Braunülen sammeln konnte. Ob man da nicht mal über einen Festanschluss nachdenken könnte, frotzele ich. Er entscheidet sich für – irgendwo mitten am Unterarm. Auch egal.

Zu meiner Überraschung geht es nicht zurück in den Wartebereich – ich werde in einen Raum mit drei leeren, frisch bezogenen und abgedeckten Betten dirigiert, sitze dort eine ganze Weile lang eher ratlos auf dem Stuhl herum. Irgendwann werde ich von einer der Schwestern abgeholt, man habe jetzt ein Bett für mich. Eine Bett? Ehrlich? Oh, toll! Ich bin ehrlich einfach nur glücklich!

Es geht zwei Räume weiter, Schuhe ausziehen und ab aufs Bett. Links von mir bekommt jemand seine Infusion der Chemotherapie, rechts erhält jemand Blutkonserven. Mittendrin liege ich und bin glücklich, dass mir ein Schmerzmittel an die Braunüle geklemmt wird. Der Zweck ist zwar eigentlich ein anderer, aber das Mittel wirkt auch gut gegen den Kiefer-Nach-OP-Schmerz von heute Morgen.

Ansonsten döse ich hier rum. Das Schmerzmittel ist nach einiger Zeit komplett in meiner Vene verschwunden. Es wirkt, Gott sei Dank.

Seit eineinhalb Stunden bin ich mittlerweile schon wieder hier, und bisher ist eigentlich noch gar nicht viel passiert. Ich liege hier faul herum, als mein Onkologe recht schwungvoll den Raum betritt. Gestern hat der Experte für Plasmozytome mir recht gute Nachrichten überbracht, mir Hoffnung gemacht, dass der Krebs sich möglicherweise noch nicht im Körper verteilt ist, sondern lokal auf meine Kieferhöhle begrenzt ist. Das wäre ganz untypisch.

Heute nun wird er jedoch handgreiflich werden: Die Knochenmarkpunktion ist die einzige Möglichkeit, festzustellen, ob sich mein Knochenmarks- bzw. Knochenkrebs nicht doch schon weiter ausgebreitet hat. Was bei dieser Krebsform völlig normal wäre.

Etwas verblüfft bin ich, dass die Knochenmarkpunktion hier in dem Krankenhausbett durchgeführt mir, nicht unter den sterilen Bedingungen eines Operationssaals. Aber, nun gut, das wird schon seine Richtigkeit haben. Wir führen das Patientengespräch. Den Informationsbogen hatte ich am Tag zuvor mitbekommen und aufmerksam durchgelesen – da bleiben wenige Fragen. Er weist mich darauf hin, dass einige Personen die Entnahme des Knochenmarks selber als sehr schmerzhaft empfinden. Dies sei allerdings nur für eine oder zwei Sekunden, wie ein kurzer Stich.

Der Herr links von mir ist mit seiner Medikamentengabe der Chemotherapie mittlerweile fertig und hat den Raum schon verlassen. Der Herr rechts von mir ist mitten in seiner Bluttransfusion. Seine ihn begleitende Frau wird nun gebeten, den Raum für einige Zeit zu verlassen – bis der Eingriff bei mir fertig sei.

Zügig geht’s weiter: Meine Hose bitte auf die Knie herunterziehen, auf die linke Seite drehen, die Knie anziehen. Der Arzt ertastet meine Beckenknochen und zeigt sich sehr zufrieden mit dem Beckenkamm. Er zippelt meine Unterhose ein Stück herunter, reinigt meine Haut wiederholte Male und kündigt die Spritzen für die lokale Betäubung an. Ich fühle ein paar Einstiche – nicht wirklich schlimm. Dann kündigt er eine Spritze in die Knochenhaut an. Ich denke noch, oha, klingt gar nicht gut – und merke schnell:

Spritzen in die Knochenhaut finde ich auch wirklich nicht schön! Aber gerade muss das wohl sein…

Puh! Kein schönes Gefühl! Er erkundigt sich, ob alles in Ordnung ist – ich brummel irgendwas zustimmendes, ich weiß nicht was. Ahne zu diesem Zeitpunkt aber nicht, dass damit für mich das Schlimmste an der Knochenmarkpunktion schon überstanden ist. Den Rest der Punktion erlebe ich als eher sonderbar und/oder komisch.

Er kündigt an, dass die Betäubung nun eine Moment wirken solle, er käme dann gleich wieder. Also liege ich hier, wartend, mit einem mulmigen Gefühl, ziemlich angespannt. Was wird kommen?

Die Frage ist schnell und leicht beantwortet: Der Arzt kommt wieder.

Und er macht sich auch gleich an die Arbeit. Zunächst ist mein Knochenmark gefragt. Leicht spüre ich, dass der Arzt sich an mir zu schaffen macht. Aber mehr, als ein diffuses Gefühl ist das nicht. Ich spüre: Mein Becken würde sich bei der Arbeit des Arztes gerne leicht verdrehen – das geht aber gerade nicht, da es ja mitten in mir drin ist. Ein sonderbares, uriges Gefühl, an dem ich überhaupt nur spüre, dass etwas in mich hineingeschraubt wird.

Noch sonderbarer finde ich jedoch, dass ich hier zwar ziemlich locker liege, der junge Arzt hinter mir jedoch mächtig ins Schnaufen kommt. Nach einiger Zeit fängt er sogar an, richtig zu ächzen. Was macht der denn da nur hinter meinem Rücken???

Zwischendurch fragt er mal, ob bei mir alles gut ist. Ja, das kann ich bestätigen – habe aber den leisen Verdacht, dass er eigentlich nur fragt, um ein paar Sekunden Luft zu holen.

Wie lange diese Prozedur dauert, kann ich gar nicht mehr nachvollziehen – wenige Minuten. Er fordert mich auf, tief einzuatmen und tiiiief wieder auszuatmen. Beim Ausatmen merke ich einen ganz leichten Stich, irgendwie mitten im Körper drin. Etwas komisch. Höre ich ein leichtes Plätschern? Ich begreife: Aha, das ist die Probenahme des Knochenmarks! In der Patientenaufklärung hatte er ja darauf hingewiesen, dass dies für einige schmerzhaft sei. Offenbar habe ich Glück und gehöre nicht wirklich zu dieser Kategorie.

Noch einmal: Luft einatmen, ausatmen – wieder ein kleiner Stich im Körper. Noch einmal das Ganze, und fertig ist die Knochenmarks-Entnahme.

Richtig entspannen kann ich aber noch nicht, denn ich bin ja noch nicht fertig – es steht auch noch die Entnahme einer Knochenprobe an. Ein ca. zwei cm langes Stück Knochen wird hierfür benötigt.

Der Arzt macht sich sogleich wieder an die Arbeit. Ja, tatsächlich, es ist offenkundig richtige Arbeit! Er ächzt und stöhnt diesmal schneller und heftiger hinter meinem Rücken. Auch spüre ich eine deutlich stärkere Torsionskraft in meinem Körper. Jetzt möchte mein Becken sich wirklich richtig kräftig drehen. Aber es ist ja immer noch in mir gefangen, nichts dreht sich da. Außer dem Instrument, das der Arzt dort in mich hinein schraubt. Ganz sicher ist es ein etwas größeres Instrument, als das vorangegangene.

Aber das ergibt ein sehr komisches, fremdes Gefühl. Meine Knochen wollen sich drehen. Es erscheint mir absurd! Oder finde ich das nur so komisch wegen dem Mittelchen, das man mir über die Braunüle eingeträufelt hat? Kann ich das vielleicht öfters mal bekommen?

Der junge Arzt hinter mir atmet schwer. Und es klingt auch absurd: Erst durch die enorme Mühe, die der Arzt sich geben muss, um ein winziges Stück aus meinen Knochen herauszubekommen, begreife ich, was für ein Wunderwerk an Steifigkeit und Festigkeit mich da normalerweise stützt. Ganz offenkundig hat die Natur da großartiges erschaffen: Knochen. Und, wehe, jemand möchte dem irgendwie beikommen. Wie der Arzt gerade.

Er macht eine ganz kurze Pause, fragt, ob es mir weh tut. Nein, tut es nicht! Er schraubt wieder weiter, ächzt und stöhnt, kurze Pause, tut es jetzt weh? Nein, ich spüre zwar etwas – aber es tut nicht weh. Langsam begreife ich: Es wird nicht mehr wirklich schlimm und schmerzhaft für mich bei dieser Aktion.

Eigentlich finde ich die Situation mittlerweile geradezu absurd. Komisch eigentlich. Ich fange an, meine Ader für Schwarzen Humor wiederzuentdecken – die sich in den letzten drei Wochen schon prächtig entwickelt hat.

Er ächzt wieder hinter mir eine Weile, fragt, ob es JETZT wehtut. Nein, sage ich, das würde wohl nichts mehr werden. Aber SO würde es für ihn allerdings auch nichts werden mit den TOP 3 des Jahres. Er stutzt, welche Top 3 denn? Na, meine ich, die Top 3 der fiesesten Untersuchungen oder Eingriffe an mir in diesem Jahr. Seine Kollegin aus der MKG heute Morgen hätte das allerdings geschafft. Knapp zwar – aber doch!

Er muss lachen, ich auch, und während er noch einmal weiter schraubt erzähle in zwei kurzen Sätzen von der fast unschlagbaren Spitzenposition (die ich den Lesern doch besser erspare) des Jahres.

Nach dieser letzten Schraub-Aktion meint er, dass die Probe jetzt eigentlich reichen müsste. Er würde mal nachschauen… Ja! Das reicht, damit sind wir fertig. Er macht noch irgendwelche Handgriffe, versorgt dann meine Wunde, etwas Zellstoff, ein großes Pflaster. Zu meiner Verblüffung fragt er mich, ob ich mir denn anschauen wolle, was er da aus mir herausgeholt hat.

Klar will ich das! Das gehört doch eigentlich mir! Bzw. gehörte zu mir.

Er zeigt mir kurz drei Ampullen mit dem Knochenmark. Offenkundig rotes Knochenmark – in dem sich die blutbildenden Zellen befinden. Eigentlich bin ich etwas enttäuscht: Der Inhalt der Ampullen sieht aus wie normales Blut. Dunkles Blut nur. Nix besonderes.

Interessanter finde ich da schon das Knochenstück in der kleinen Plastikdose! Zwei Zentimeter lang, wohl drei Millimeter dick – mehr nicht. Etwas blutverschmiert ist es. Für dieses lächerlich winzige Knochenstück so eine große Mühe des Arztes? Unglaublich! Oh, Wunder der Natur!

Ich darf meine Hose wieder anziehen und werde ermahnt, mich auf den Rücken zu legen – damit die kleine Wunde auf meinem Rücken zugedrückt wird. Der Arzt verschwindet flott. Das Labor würde bald dicht machen, und er will die Proben dort noch schnell rein reichen. Er würde nachher nochmal nach mir schauen, ich solle mich mal erholen derweil. Auf die Schnelle nutze ich noch die Gelegenheit, ihm zu sagen, dass er das meiner Ansicht nach richtig gut gemacht habe. Ich hätte einige Sorgen gehabt, aber das war ja halb so wild. Brav gibt er noch das Kompliment zurück – ich hätte mich ja auch gut verhalten.

Kaum ist er raus, bedaure ich, dass ich nicht auf die Idee gekommen bin, ein Foto von dem Knochenstück zu machen. Meine Kamera hätte ich greifbar in meinem Rucksack gehabt, und wann kann man schon mal seinen Knochen fotografieren? Na, da war ich zu bräsig, einfach nicht geistesgegenwärtig genug. Tja, Chance vertan…

Rund eine Stunde darf ich noch auf dem Bett verweilen, es entwickelt sich ein freundliches Gespräch mit den „Nachbarn“ im Nebenbett. Er und seien zurückgekehrte Frau meinen, dass ich doch eigentlich noch viel zu jung bin für Krebs. Tja – das kann man sich eben nicht aussuchen.

Mittlerweile denke ich auch wieder vermehrt an meinen sonderbaren Kiefer. Eigentlich fühlt sich der ganze Kopf komisch an. Gott sei Dank wirkt das Schmerzmittel ganz gut.

Als der Arzt dann wieder auftaucht, wünsche ich mir eigentlich, dass er einfach sagt, ich könne im Bett liegen bleiben bis alles gut ist. Ich hätte nichts dagegen, die Nacht im Krankenhaus zu verbringen.

Aber, nein, ich bin ja in der Ambulanz und natürlich geht’s nach Hause. Ein paar Infos zu den Verhaltensweisen mit der kleinen Wunde gibt es noch, dann darf ich nach Hause. Besser aber nicht zu Fuß, meint der Arzt. Das Schmerzmittel würde noch wirken und nicht zu unterschätzen sein. Besser per Taxi oder mit dem Bus.

Ich entscheide mich für Letzteres – und merke auf dem Weg zum Bus auch schnell, was der Arzt gemeint hatte. Wie ein angeschlagener Boxer wanke ich zunächst durch die Gegend. Was ich da wohl alles an Mitteln verabreicht bekommen habe? Irgendwie ja faszinierend.

Die Kombination aus Busfahrt und U-Bahn dauert deutlich länger, als ein Fußmarsch nach Hause. Dafür habe ich für die 2,5 km lange Strecke 3 Euro zu zahlen. Nun ja, der HVV ist bekannt dafür, für mäßige Leistungen exquisite Preise zu verlangen.

Immerhin bietet mir diese Variante noch die Möglichkeit, ohne viel Aufwand noch ein paar Dinge einzukaufen: Smoothie, Joghurt, Quark, Pudding – Hauptsache, ich muss heute und morgen nichts kauen!

Um halb sieben bin ich nach einem wahrlich ereignisreichen Krankenhaus-Tag zu Hause, liege um acht um Bett, bin fix und fertig, habe schlicht die Schnauze voll.

Der Rest der Welt muss mich heute mal in Ruhe lassen!

 

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