TAGE 35-37: Sorge vor den Nebenfolgen der Bestrahlung

Freitag, 2.1.2015 – Sonntag, 4.1.2015

Das sehe ich mal als richtig gutes Zeichen für mich selber: Meine Lust am Schreiben, dieses Drängen, mir Dinge von der Seele zu schreiben – es lässt in den letzten Tagen deutlich nach!

Es sind inzwischen eher die profanen Dinge des Lebens, die mich bewegen. Gar nicht mehr so sehr die vielen Dinge rund um meine Krebserkrankung, das Plasmozytom, herum. Diese Erkrankung ist zwar mittlerweile ein zentraler Bestandteil meines Lebens – aber sie ist längst nicht mein Leben allein.

Nun hat über die Feiertage die Frequenz meiner Arztbesuche deutlich abgenommen. Und vor allen Dingen hat die Unsicherheit und Unklarheit über das, was mir denn nun bevorstehen wird, abgenommen – also über den „Fahrplan“ der nächsten Wochen und Monate. Ich weiß, was auf mich zukommen wird: Am 8. Januar wird mir eine Maske für die Bestrahlung erstellt und das Gerät eingerichtet. Und ab dem 13. Januar wird bestrahlt. Da muss ich dann durch, um gesund zu werden. Oder zumindest gesünder.

Alles klar soweit also. Was sollte mich da denn jetzt groß beschäftigen?

Okay, da findet sich dann aber doch was! Immer mehr beschäftigt mich, was bei der Bestrahlung von Kiefer und Kieferhöhle wohl mit mir passieren wird? Wie schon an einem früheren Tag geschildert: Es ist bei einer Bestrahlung am Kopf einiges an Nebenfolgen zu erwarten. Nahezu alle Patienten leiden unter Entzündungen im Mund. Wahrscheinlich sind auch Zahn- und Zahnfleischprobleme und eine Störung der Speicheldrüsen.

Auch mein mit enormen Aufwand bei einem kunstvollen Arzteingriff mit einigen Prozenten Sehkraft verbliebenes, mit Öl gefülltes rechtes Auge ist bedroht.

Nicht schön, das alles! Eigentlich habe ich momentan mehr Angst vor den bald schon anstehenden Nebenfolgen der Bestrahlung, als vor dem Krebs selber. Aber natürlich weiß ich auch, dass ohne diese Behandlung alles irgendwann ganz furchtbar würde.

Nun gut, dem Krebs geht es ja auch in einigen Tagen an den Kragen! Die Nebenfolgen fangen dann erst an. Und lassen nichts Gutes erwarten.

Diese Gedanken bestimmen weder meinen Alltag, noch mein Leben. Aber sie sind da – wenn auch nicht vorherrschend.

Vorherrschend ist vielmehr – der übliche Alltag. Und was soll ich darüber in diesem Blog schon berichten? Eigentlich soll es hier um meine Krebserkrankung gehen – nicht um meinen privaten Alltag.

Oder sollte ich hier ausführen: Dass es am Freitag auf der Arbeit interessante Ergebnisse zur Luftverschmutzung während des Silvesterfeuerwerks gab? Oder dass auf dem Nach-Hause-Weg von der Arbeit am 2.1. nach einem Kilometer eine Pedale an meinem Fahrrad abgebrochen ist (kilometerweit von jeglicher Bahnstation entfernt, habe ich mich gegen den strammen Wind noch drei Kilometer mit der einen Pedale weiter gequält, um dann die letzten knapp sieben Kilometer nach Hause zu schieben)? Dass ich am Samstag meine Tochter in Kiel besuchte, nachträglich zu ihrem Geburtstag am Neujahr? Oder dass ich am Sonntag bei Freunden eingeladen und völlig verzaubert von deren knapp dreijährigen Tochter war?

Das sind zwar alles mehr oder minder interessante Dinge – aber eben auch banaler Alltag. Die große Aufregung um mein Plasmozytom ist also einstweilen verklungen, der Alltag nimmt größeren Raum ein. Und das ist ja auch gut so! Nachdem meine Welt eine Weile lang auf dem Kopf und still stand, dreht sie sich wieder und ich stehe mit den Füßen meist auf der Erde.

Von daher werde ich jedoch meine Beiträge im Blog auf zukünftige Ereignisse rund um die anstehende Therapie eingrenzen – wenn mir dann mal wieder etwas unter den Nägeln brennt. Ansonsten nehme ich mir einige Tage „schreibfrei“ oder arbeite nach, was auf meinem Reiseblog noch fehlt…

 

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