TAG 14: Luxusleben? Lebensluxus?

Donnerstag, 11.12.2014

Eine Krankschreibung – nur, weil es eben so ist, dass man Krebs hat? Und weil man, für die weitere Diagnostik, einen Sammelurin macht und diesen mittags im Krankenhaus abliefern muss?

Das empfinde ich in meiner derzeitigen Situation tatsächlich schon fast als Luxus! Luxusleben! Lebensluxus!

Ja – völlig stressfrei einfach dafür sorgen, dass ich meine „ärztlichen Pflichten“ erledigen kann – das ist in meiner derzeitigen Situation wirklich Luxus!

Auf der anderen Seite war ich in den letzten Wochen zugegebenermaßen beunruhigt darüber, was meine Erkrankung wohl mit meinem Arbeitszeitkonto anrichten wird. Immer wieder hatte ich schon Tage mit Arztbesuchen, an denen ich nur einige Stunden arbeiten konnte. Die Sorge um mein Zeitkonto ist mir für heute immerhin mal genommen worden. Gut so!

Morgen sieht’s vielleicht schon anders aus – da habe ich ja wieder einen Termin im UKE, das Osteo-CT soll ja gemacht werden, um 9:30 Uhr. Vielleicht schaffe ich es da gerade noch zum Mittag auf die Arbeit?

Trotzdem habe ich alle Zeit der Welt, den Tag heute gemütlich anzugehen. Gerade erst habe ich mich an das Frühstück gemacht, als um Viertel vor Neun das Telefon klingelt. Mein Arbeitskollege ruft an, das UKE habe sich gemeldet, ich möge bitte mal unter der und der Nummer zurück rufen. Zu ärgerlich, dass man im Computer-System des UKE offenbar nur eine Telefonnummer hinterlegen kann. Bei meinem ersten Termin hatte ich da logischerweise meine dienstliche Nummer hinterlegt – tagsüber bin ich dort ja üblicherweise zu erreichen. Und ein solch exzessiver Besuch im UKE war damals ja nicht geplant.

Mein morgen anstehender Termin für die Osteo-CT kann so nicht stattfinden, erfahre ich, für das Gerät wird ein Techniker kommen, um den Speicher zu erweitern. Da kann ich nur darauf hinweisen, dass eigentlich das Ergebnis meiner Untersuchung am Montag vorliegen solle, wenn ich wieder meinen Termin in der Onkologie habe, dann beim Experten für Plasmozytome. Kurzerhand bucht die Dame am Telefon mich auf 8 Uhr um, da sei der Techniker noch nicht da. Mir ist das nur Recht, entspannt dies doch meinen Arbeitstag am Freitag.

Nach diesem organisatorischen Einschub lasse ich mir bis zum frühen Nachmittag Zeit, mache mich dann mit dem Fahrrad auf in die Klinik, um meine Urin-Probe abzuliefern. Dabei bin Ich durchaus gespannt, ob die Stimmung in der Onkologischen Ambulanz wieder so negativ und gereizt ist, wie am Tag zuvor.

Aber, nein, am heutigen frühen Nachmittag geht es ganz anders zu in der Onkologischen Ambulanz! Ruhig, friedlich und freundlich ist es hier heute. Man schickt mich in irgendein Zimmer, dort solle ich meine Proberöhrchen auf den Tisch legen und einen Zettel dazu legen, wie groß die Gesamtmenge Urin war. Wirklich einfach so auf den Tisch legen? Ja! Na, ob das wohl klappt…?

Danach geht es – wieder in mein Stammcafé. Vielleicht werde ich durch meine Krebserkrankung noch zum regelmäßigen Kaffee-Trinker? Mein Internist meinte vor einem halben Jahr schon zu mir, dass Kaffee gut sei für meine trotz jahrelangem, totalem Alkoholverzichts noch immer von irgendwas belastete Leber. Nun gut, dann eben Kaffee.

Der Rest des Tages bleibt unspektakulär. Der Krebs scheint Teil meines Lebens zu werden und eine Art Normalität zu bekommen. Drum beschließe ich, mich technisch etwas weiter zu entwickeln – und meine bisherigen Notizen nach Überarbeitung als Blog im Web zu veröffentlichen. Eigentlich vor allen Dingen, weil es mir selber gut tut.

Den Namen der geplanten Domain www.mein-krebs-und-ich.de sichere ich mir heute gleich mal. Eigentlich würde ich ja viel lieber die Seite mit meinen Reiseberichten weiter pflegen, aber das wird wohl erstmal in den Hintergrund rücken müssen…

 

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