Archiv für den Monat: Januar 2015

TAG 56: Mein Lebensverlängerungsapparat – eine volle Woche Bestrahlung

Freitag, 23.1.2015

8 von 30 Bestrahlungstagen, 14,4 Gray Energiedosis gegen meinen Krebs.

So, nun habe ich die erste komplette Woche mit Bestrahlungen hinter mir. In der vorangegangenen Woche hatte ich ja drei Bestrahlung, in dieser Woche fünf. Mit den zusammen acht Bestrahlungen habe ich rund ein Viertel der insgesamt anstehenden hinter mir. Noch nicht so richtig viel. 14,4 Gray sind bis jetzt auf mich niedergeprasselt – ohne, dass ich davon direkt irgendetwas gemerkt hätte.

Am heutigen Freitag habe ich allerdings auch mal eine Ahnung von einer der möglichen Nebenwirkung: Irgendetwas in meinem Mund scheint aus dem Lot zu geraten. Die Haut im Mund fühlt sich gereizt an, etwas angeschwollen. Nichts dramatisches, aber natürlich bin ich momentan super-sensibilisiert, was solche Empfindungen angeht. Wenn ich an Kiefer und Kieferhöhle bestrahlt werde, sind natürlich als allererstes im und am Mund weitere Folgen zu befürchten.

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TAGE 47/48: Ich Glückspilz!

Mittwoch 14.1. / Donnerstag, 15.1.2015

3 von 30 Bestrahlungstagen, 5,4 Gray Energiedosis gegen meinen Krebs.

Meine Armbanduhr ist etwas altmodisch, mit dicken Zeigern über einem schwarzen Ziffernblatt mit unförmigen Ziffern. Um das Ziffernblatt herum befindet sich so ein komischer, drehbarer Ring mit Markierungszeigern. Den will ich verdrehen, aber, verdammt – warum geht das denn nicht? Ich drehe und würge daran herum, aber es gelingt nicht! Verdammt nochmal! Ich werde hektisch, rüttel herum. Verdammt, immer diese Hektik!

Moment mal – äh – Armbanduhr? Halt stopp! Äh – was ist gerade los? Seit Jahrzehnten habe ich doch gar keine Armbanduhr mehr! Einen Moment lang muss ich mich sammeln, ich höre ein Klickern und Klackern. Aber das kommt nun wirklich nicht von einer Uhr! Ich muss eingeschlafen sein und geträumt haben. Schon wieder! Wie absurd!

Im wirklichen Leben bin ich gerade bei der Strahlentherapie im UKE, das ist gerade meine dritte Bestrahlung – und zum dritten Mal bin ich dabei eingeschlafen. Das kann ja wohl nicht angehen! Heute das erste Mal sogar während des direkten Bestrahlungsvorgangs, nicht während einer Zwischen-Wartezeit.

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TAG 46: Blaulicht im Kopf – die erste Bestrahlung

Dienstag, 13.1.2015

1 von 30 Bestrahlungstagen, 1,8 Gray Energiedosis gegen meinen Krebs.

Heute nun ist der große Tag! Eigentlich freue ich mich, dass der Kampf gegen den Krebs endlich aktiv aufgenommen wird. Bisher ging es die ganze Zeit nach der ersten Erkenntnis über meinen Krebs, der ja erst nach einiger Zeit als Plasmozytom diagnostiziert wurde, um eine exakte Diagnose. Und erst vor kurzem dann um die Planung der Therapie – mittels Bestrahlung.

Und heute nun beginnt die Therapie. Endlich! Mein Krebs ist ja nicht sehr aggressiv, wächst eher langsam – aber trotzdem ist es kein schönes Gefühl, mit der Gewissheit herumzulaufen, einen Feind im Körper zu haben. Eigentlich wünscht man sich nur, dass er bekämpft wird und möglichst bald verschwinden soll. Bevor er doch noch irgendwelches Unheil anrichtet.

Er soll weg! Alles muss raus!

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TAG 41: Der Mann mit der Maske – Krebs als Erlebnis

Donnerstag, 8.1.2015

Wieder mal ein Tag außerhalb des Gewohntem: Ein „UKE-Tag“. Zur Mittagszeit hat man mir dort einen Termin verpasst, zur Vorbereitung der Bestrahlung meines Plasmozytoms, die in der nächsten Woche beginnen wird. Ein Termin um die Mittagszeit, der voraussichtlich etwas länger dauern wird – da nehme ich mir von der Arbeit frei.

Und nutze den Vormittag noch zu einem Zahnarzt-Termin. Noch einmal eine gründliche, professionelle Zahnreinigung. Das macht Sinn, wenn man am Kopf bestrahlt wird – und bei mir wird das ja an der Kieferhöhle und am Kiefer passieren.

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TAGE 35-37: Sorge vor den Nebenfolgen der Bestrahlung

Freitag, 2.1.2015 – Sonntag, 4.1.2015

Das sehe ich mal als richtig gutes Zeichen für mich selber: Meine Lust am Schreiben, dieses Drängen, mir Dinge von der Seele zu schreiben – es lässt in den letzten Tagen deutlich nach!

Es sind inzwischen eher die profanen Dinge des Lebens, die mich bewegen. Gar nicht mehr so sehr die vielen Dinge rund um meine Krebserkrankung, das Plasmozytom, herum. Diese Erkrankung ist zwar mittlerweile ein zentraler Bestandteil meines Lebens – aber sie ist längst nicht mein Leben allein.

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TAGE 32-34: Ist Krebs eine Schlafkrankheit?

Dienstag, 30.12.2014 – Donnerstag, 1.1.2015

Langsam frage ich mich wirklich, ob ich mir da eine Schlafkrankheit eingehandelt habe! Oder kriege ich meine allgemeine Erschöpfung einfach nicht in den Griff?

Der Dienstag war ja noch ein normaler und ziemlich voller Arbeitstag, aber sowohl am Silvestertag, als auch am Neujahr schlafe ich um Stunden länger, als gewöhnlich. Fast finde ich das ein wenig bedenklich. Flüchte ich mich vielleicht in den Schlaf, um mich vor Ängstlichkeit oder Nachdenklichkeit zu schützen?

Am Silvester-Morgen spüre ich zudem eine gewisse Antriebslosigkeit. Nur mit großer Mühe schaffe ich es gerade noch um die Ecke in den Supermarkt, um ein paar Kleinigkeiten einzukaufen. Ach je, so leicht antriebslose Phasen habe ich immer mal wieder kurzzeitig – eigentlich nicht wirklich etwas Besonderes. Aber kaum habe ich mein Plasmozytom, also Krebs, da mache ich mir gleich Sorgen um mich selber.

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TAG 31: In der Strahlentherapie – die Termine stehen fest!

Montag, 29.12.2014

Die Weihnachtsfeiertage sind rum – Zeit, um mich mal wieder im UKE blicken zu lassen!

Eigentlich habe ich heute ja einen normalen Arbeitstag – und eigentlich muss ich dort einen Kollegen vertreten, der die Feiertage über frei genommen hatte. Aber da müssen meine Kollegen mich heute bei meinem Vertretungsdienst vertreten. Nun gut – das wird schon klappen, irgendwie.

Nachdem ich nun 10 Tage lang keinen Arzt gesehen habe (welch ein Luxus!), habe ich mir heute mal wieder gleich zwei Termine auferlegt: Früh morgens besuche ich die Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie (MKG) des UKE. Vor knapp zwei Wochen war mit einem ziemlich derben Eingriff meine zuvor geöffnete Kieferhöhle geschlossen worden. Heute oder morgen solle ich die Fäden ziehen lassen – die Ärztin hatte die gedehnten Schleimhäute sehr gründlich vernäht und mir diese Maßgabe mit auf den Weg gegeben. Seit dem Eingriff habe ich das Gefühl, dass meine rechte Mundhälfte eigentlich nur noch aus Fäden besteht. Diese haben sich mit der Zeit zu einem ziemlichen Klumpen verwoben – von daher kommt es mir ganz Recht, dass diese jetzt entfernt werden sollen. Ich bin schon schwer genervt von diesem Klumpen im Mund.

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TAGE 23-30: Weihnachten: Früher war mehr Lametta!

Samstag 20.12.2014 – Sonntag 28.12.2014

Weihnachten – ein Fest der Ruhe, der Familie, des Müßiggangs. In diesem Jahr noch deutlich bewusster wahrgenommen, als in anderen Jahren. Musste ich mir doch nach meiner Krebsdiagnose eine Zeitlang Sorgen machen, dass dies womöglich mein letztes Weihnachten sein könnte, so ist dies allerdings inzwischen nicht unbedingt wahrscheinlich.

Trotzdem ein besonderes Weihnachten! Ich bemühe mich, alles ein wenig wie „in alten Zeiten“ zu gestalten, auch, wenn der Bedarf hieran bei meiner Tochter eher gering ist. Ein wenig Melancholie schwingt aber schon mit. Früher war zum einen mehr Lametta, aber zum anderen war ich auch irgendwie unbelasteter.

Am Montag und am Dienstag stehen noch normale Arbeitstage an, aber auch die vergehen ohne besondere Hektik. Irgendwie fühlt sich alles „normal“ an.

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TAGE 21/22: Arbeitstage

Donnerstag/Freitag, 18./19.12.2014

Gewöhnliche Arbeitstage – eine Rarität, über die ich mich derzeit freue.

Obwohl: So gewöhnlich sind diese Tage gar nicht. Am Donnerstag wird ein Kollege aus meinem engeren Kollegenkreis verabschiedet, einer der Profiteure der frisch eingeführten Ruhestandsregelung nach 45 Jahren Arbeit. Bereits der zweite aus unserer neunköpfigen Gruppe, der recht plötzlich und nicht richtig planbar nicht mehr im Dienst ist.

So ein Abschied wird natürlich zünftig mit einem gemeinsamen Frühstück begangen – und ich bin froh, dass ich dabei sein kann. Der Nachteil: Ich komme nicht umhin, Brötchen zu kauen. Das bringt mir nach der Operation mit der Schließung der Kieferhöhle vor zwei Tagen noch keinen echten Spaß.

Ansonsten sind beide Tage normale Arbeitstage. Mittlerweile kann ich mich auf dem Job wieder bestens auf meine Tätigkeiten dort konzentrieren. Es ist nicht mehr so, dass meine Gedanken mühsam vom Thema Krebs abgelenkt werden müssen.

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TAG 20: Regeneration und Zahnarzt

Mittwoch, 17.12.2014

Gott sein Dank bin ich heute noch krank geschrieben! Etwas durcheinander bin ich. Die Operation zur Schließung der Kieferhöhle hat mich wirklich sehr mitgenommen, und so völlig ohne war die Knochenmarkpunktion dann ja doch nicht. Die Nacht habe ich zwar einigermaßen überstanden, dank der Schmerzmittel, die ich daheim noch zu mir genommen hatte.

Morgens ist erstmal ein Anruf auf der Arbeit fällig mit der Nachricht, dass ich heute noch nicht komme, morgen aber wohl wieder anwesend sein werde. Einstweilen gönne ich mir ansonsten einen gemütlichen Vormittag.

Als ich das dicke Pflaster von der Knochenmarkpunktion entferne, traue ich meinen Augen kaum: Es ist nur ein winziges Loch zu sehen, wie ein größerer Insektenstich. Erstaunlich! Die Wunde fühlt sich exakt so an, wie der Arzt es angekündigt hatte – nämlich als ob man etwas Muskelkater im Hintern habe. Kein Problem also!

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