Archiv für den Monat: Dezember 2014

TAG 19: Schließung der Kieferhöhle – und Knochmarkpunktion

Dienstag, 16.12.2014

Der erste Tag seit der Diagnose „Krebs“, an dem es mir richtig schlecht geht! Und zwar körperlich richtig schlecht. Zwei chirurgische Eingriffe an einem Tag – da habe ich mir wohl ein wenig viel zugemutet.

Eigentlich hatte ich gedacht, dass ich das besser wegstecke. Am Morgen soll die geöffnete Kieferhöhle zugenäht werden – klingt ja nicht so besonders spannend. Viel aufregender klingt da schon die Knochenmarkpunktion am Nachmittag. Die erstere Operation stelle ich mir also klein und harmlos vor, die zweite jedoch heftig und sehr schmerzhaft.

Doch es kommt genau umgekehrt.

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TAG 18: Das große Los – für mich?

Montag, 15.12.2014

Was für eine Erleichterung!

Da muss ich nach dem Termin in der Onkologie doch zunächst erstmal zu meinem neuen Stammcafé in der Nähe der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf (UKE)! Zwar geht es schon gegen 18 Uhr, aber das macht nichts – ich muss mir einfach noch einen Milchkaffee gönnen. Mich einen Moment lang sammeln. Den Termin im UKE noch kapieren.

Dann sitze ich vor meinem Milchkaffee, sichte kurz die vielen Papiere, die der Arzt mir mitgegeben hatte. Aber viel lesen kann ich gerade nicht. Die Worte des Arztes donnern noch geradezu durch meinen Kopf. Offenbar habe ich unfassbares Glück im Unglück!

Lange jedoch kann ich hier im Café jetzt gar nicht sitzen – ich merke, wie eine große Welle an Gefühlen auf mich zurollt. Erleichterung, pure Erleichterung! Nach all der ungeheuren Anspannung der letzten Zeit. Und bevor ich hier mitten im Café vor Erleichterung anfange zu heulen, stürze ich doch lieber meinen Kaffee flott runter, gehe raus und radle durch die Dunkelheit nach Hause. Da sieht niemand meine Tränen der Erleichterung.

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TAGE 16/17: Ist der Tod (k)ein Thema?

Samstag / Sonntag, 13./14.12.2014

Eines mögen die Personen um mich herum überhaupt und ganz und gar nicht: Wenn ich den Tod erwähne. Und sei es nur mit einer kleinen Randbemerkung. Zum Beispiel dadurch, dass ich im Kollegenkreis erwähne, nicht zu wissen, ob mein Arbeitsleben bald vielleicht endgültig vorbei sei. Oder flachsend zu den Kollegen zu der Todesanzeige auf dem Info-Monitor sage: „Guck mal, da stehe ich auch bald.“ Oder wenn ich bei meinen Fußball-Freunden darüber sinniere, dass ich wohl noch den Abstieg, aber vielleicht ja nie wieder einen Aufstieg unseres Team erlebe.

Nein, nein, nein, heißt es dann: So weit solle und dürfe ich gar nicht denken! Das sei kein Thema! Und überhaupt werde ich noch genügend Mühe damit haben, meine Urenkel zu bändigen.

Alle wollen mir Optimismus einimpfen – und das ist ja auch gut so! Außerdem ist Tod kein schönes Thema, am liebsten schieben wir alle es beiseite – und auch das ist gut so! Alle lässt dieser Gedanke schaudern.

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TAG 15: Das Osteo-CT

Freitag, 12.12.2014

Der Tag beginnt, wieder mal, mit einem Krankenhaus-Termin. Eine Computer-Tomographie der Knochen ist jetzt gefragt – Osteo-CT nennt man das. Nachdem letzte Erkenntnisse ergeben haben, dass ich an Knochenmarks- bzw. Knochen-Krebs leide (auch Plasmozytom bzw. Multiples Myelom genannt), ist dies der nächste logische Schritt der Untersuchung meiner Krankheit. Bzw. über den Ausbreitungsgrad meiner Krebserkrankung.

Im Internet hatte ich mich ja über meine Krebs-Erkrankung informiert, um überhaupt etwas zu wissen. Dort kann man auf einer Menge Bildern sehen, wie es aussieht, wenn dieser Krebs sich schon ausgebreitet hat: Es gibt richtige, per Röntgenbild sichtbare Löcher in den Knochen. Ohne gezielt danach zu suchen, sehe ich Bilder von Schädeldecken, die mit Löchern wie bei einem Schweizer Käse aussehen. „Schrotschussschädel“ nennt man das. Was für eine absolut entsetzliche Vorstellung!

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TAG 14: Luxusleben? Lebensluxus?

Donnerstag, 11.12.2014

Eine Krankschreibung – nur, weil es eben so ist, dass man Krebs hat? Und weil man, für die weitere Diagnostik, einen Sammelurin macht und diesen mittags im Krankenhaus abliefern muss?

Das empfinde ich in meiner derzeitigen Situation tatsächlich schon fast als Luxus! Luxusleben! Lebensluxus!

Ja – völlig stressfrei einfach dafür sorgen, dass ich meine „ärztlichen Pflichten“ erledigen kann – das ist in meiner derzeitigen Situation wirklich Luxus!

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TAG 13: In der Onkologischen Ambulanz

Mittwoch, 10.12.2014

Was für eine Enttäuschung! Was für ein blöder Tag! Was für eine Pleite!

Mit richtig großen Erwartungen war ich heute zum ersten Mal in der Onkologischen Ambulanz des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) gewesen – und letztlich bin ich desillusioniert wieder weg gegangen.

An diesem Morgen bemühe ich mich, etwas überpünktlich gegen zehn in der Onkologischen Ambulanz des UKE anzukommen. Zugegeben: Ein wenig aufgeregt bin ich, erwarte ich doch irgendwie ein vielleicht entscheidendes Vorankommen in meinem Wissen um den Fortgang der Diagnose und Behandlung meiner Krebserkrankung. Immerhin laufe ich seit fast zwei Wochen mit dem Wissen herum, Krebs zu haben. Jetzt werde ich also Gast auf der „Lymphom-Sprechstunde“ sein.

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TAGE 11+12: Der Zauber der Normalität

Montag / Dienstag, 8./9.12.2014

Regen in Hamburg – aber mich stört das heute nicht im Geringsten. Trotz kräftigen Regens genieße ich es, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Radfahren ist für mich einfach ein Lebenselexier!

Und jetzt brauche ich es umso mehr, durch Hamburg zu radeln! Ich bin zwar krank – eigentlich tödlich krank – habe jedoch derzeit noch keinerlei Beschwerden durch diese Krankheit. Also: Radfahren…!

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TAGE 9+10: Infos zum „Plasmozytom“ – und bewusste Pause

Samstag / Sonntag, 6./7.12.2014

Meine Erkenntnis vom Vortag: So werde ich auch das anstehende Wochenende angehen – Pause und Erholung! Meine Kraft werde ich noch brauchen… Im Kampf gegen den Krebs.

Denn: Bisher findet meine Krebserkrankung ja fast nur in meinen Gedanken statt. Ich habe keinerlei körperliche Beschwerden. Trotzdem verbraucht sie Energie. Und auch die vielen Arzt-Termine sind durchaus anstrengend.

Trotzdem: Gestern hatte mir der Arzt der Mund-Kiefer-Gesichts-Chrurgie (MKG) des Universitätklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) den Befund der histologischen Untersuchung überlassen. Dort verstehe ich zwar nicht viel – aber das, was ich verstehe, bietet Stoff genug für dieses Wochenende!

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TAG 8: Krebs macht ehrlich!

Freitag, 5.12.2014

Eingang zum Hauptgebäude

Der Eingang zum Hauptgebäude

Ich muss wohl oder übel damit rechnen, dass dies bei mir zur Gewohnheit werden wird: Morgens geht’s mal schnell ins Krankenhaus! Nicht unbedingt die schönste Angewohnheit. Nicht unbedingt erstrebenswert.

Üblicherweise wird darauf der Weg zur Arbeit folgen, aber heute habe ich mir den Tag einfach frei genommen – schon allein weil ich fürchtete, durch lange Wartezeiten sehr spät zur Arbeit kommen zu können und mein Arbeitszeitkonto sehr zu belasten. Zudem wollte ein Tag Sonderurlaub noch verbraucht werden. Also, heute: Uni-Klinik UKE – und danach frei!

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TAG 7: ALLES MUSS RAUS!!

Donnerstag, 4.12.2014

Und wieder ein kurzer, knapper Arbeitstag.

Kaum im Büro angekommen, ausnahmsweise mal mit Öffentlichen Verkehrsmitteln, klingelt mein Telefon.

Es meldet sich die Röntgen-Abteilung des UKE: Ja, hallo, ich sei doch gestern für das CT dort gewesen. Es sollte dabei ja mein gesamter Oberkörper aufgenommen werden. Leider sei da eine Panne passiert – man habe vergessen, meinen Hals zu röntgen. Ob ich in Kürze nochmal wiederkommen könne, um das nachzuholen?

Es ist durchs Telefon greifbar, wie unangenehm der freundlichen Frau dieser Anruf ist. Mir schießt sofort durch den Kopf, oh nein! Noch einmal ins UKE fahren, warten, warten, warten, Arztbesprechung, Braunüle setzen, warten, warten, auf die Liege, hin- und herfahren durch das Röntgengerät, Kontrastmittel, Hitzewallung, summ-summ-Strahlung, noch einmal auf die CD warten, warten, fertig. Begeistert bin ich gar nicht, stöhne hörbar ein wenig auf.

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